Das Archiv als politische Waffe

Mit dem Anwachsen der Bestände wurde die Ordnung im Archiv immer wichtiger. Gleichzeitig trat ein Element stärker in den Vordergrund: Die Funktion des Archivs als politisches Gedächtnis – und politische Waffe. Das Kloster Einsiedeln und der Rat in Schwyz stritten sich nach 1600 während Jahrzehnten. Fürstabt Placidus Reimann bemühte sich bereits kurz nach seinem Amtsantritt 1629 persönlich um eine gute Ordnung im Archiv. Bei Bedarf wollte er raschen Zugriff auf Schriftstücke haben, die als Beweismittel im Streitfall dienen konnten.

Abt Placidus legt die Basis
Reimanns Ziel war ein kurzfristiges, die Ordnung des Archivs vielmehr ein Nebenprodukt seiner Bestrebungen. Trotzdem hat er mit seiner Arbeit die Basis für das heute noch gültige Ordnungsprinzip im Stiftsarchiv gelegt. Der Grundbesitz des Klosters wurde in geographische Verwaltungseinheiten unterteilt, in so genannte Ämter. Reimann ordnete die Archivalien nach diesen Einheiten, die einen Buchstaben des Alphabets erhielten, und legte sie in verschiedene Laden (Truhen). Die «Capsulae» unterteilten die Archivalien nicht weiter, ordneten jeder Lade aber eine römische Zahl zu. Die «Classen», die Placidus mit sachbezogenen Titeln überschrieb, bildeten die nächste Hierarchiestufe. Die einzelnen Schriftstücke nummerierte er fortlaufend mit römischen Individualzahlen. Damit spiegelte die Ordnung die physische Anordnung der Dokumente im Archiv wider. Die einzelnen Dokumente wurden übrigens nur mit Amtsbuchstaben und Individualzahl versehen. Alle Bestände des Stiftsarchivs sind erstmals fein säuberlich aufgenommen und handschriftlich registriert worden. Placidus selbst legte ein so genanntes Summarium (Repertorium) über das damalige Archiv an, das in vier Bänden erhalten geblieben ist. Zudem existierte ein Generalindex.

Titelblatt der Documenta von 1665.

Literatur
Kuhn, Hans Jörg, Das Archiv des Klosters Einsiedeln im 17. und 18. Jahrhundert. Organisation, Funktion und Stellenwert einer klösterlichen Institution, unpublizierte Lizentiatsarbeit Zürich 2003.

Brun, Peter - Frei, Andrea - Kränzle, Andreas, Repertorien und Findmittel im Stiftsarchiv Einsiedeln. Provisorische Bestandsaufnahme, Manuskript Zürich, November 1999 überarbeitet Januar 2005 (PDF).

Letzte Aktualisierung: 07.02.2006 – Impressum
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