Professbuch: Äbte

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50. Heinrich IV. Schmid von Baar
Heinrich IV. Schmid von Baar (1846-74).
Karl Josef Schmid war den 17. Februar 1801 in Baar auf dem Hofe Ober-Inkenberg geboren. Seine Eltern, Heinrich Schmid und Maria Verena Bütler, waren angesehene Bauersleute. Zunächst besuchte er die Schulen in Baar, kam dann 1814 auf das städtische Gymnasium in Zug und im Herbst 1818 an die Klosterschule in Einsiedeln. Schon 1819 meldete er sich für das Noviziat an und am 22. Oktober 1820 legte er zugleich mit P. Gall Morel und P. Athanas Tschopp als Fr. Heinrich seine hl. Profeß ab. Den 24. Mai 1823 wurde er durch Nuntius Nasalli Subdiakon, am folgenden 29. September durch Bischof Karl Rudolf Buol-Schauenstein von Chur Diakon und am 16. September 1824 durch den Bischof von Rottenburg, Johann Bapt. von Keller, Priester. Seine Primiz fiel auf den Rosenkranzsonntag, den 3. Oktober.
Schon als Student widmete sich P. Heinrich vorzüglich der Mathematik. Daher bestellte ihn auch sein Abt alsbald nach der Primiz zum Lehrer der Mathematik an der Stiftsschule. Den Winter über versah er jeweilen die Stelle eines Christenlehrers in Etzel-Egg, das damals noch keine ständige Seelsorge besaß. Schon in dieser Zeit arbeitete er viel unter P. Josef Tschudi am Stiftsarchiv. Daher kam es auch, daß, als P. Josef 1832 als Statthalter nach Pfäffikon kam, P. Heinrich zum Stiftsarchivar bestellt wurde. Schon während dem Einsiedler Handel und wiederum während der Trennungsbewegung im Kanton bekam er so Gelegenheit, sich in die vielgestaltigen Rechtsamen des Stiftes einzuleben. Die Stelle eines Archivars wurde auch damals als ein Einführungsposten für die Verwaltung irgend einer Klosterökonomie betrachtet. Daher kam es, daß P. Heinrich 1839 durch Abt Cölestin zum Stiftsstatthalter ernannt wurde. Als Archivar hatte er immer bei den Vermarchungen mithelfen müssen; auch hatte er sich schon damals besonders um die Stiftswaldungen gekümmert. Als Statthalter ließ er die Güterkomplexe des Stiftes vermessen. Er sorgte für die Hebung der Bodenkultur und pflegte besonders die seit altem im Stifte heimische Pferdezucht. Um eine Blutauffrischung vorzunehmen, führte er die sogen, englische Rasse im Stiftsgestüte ein. In der Verwaltung sorgte er für eine bessere Buch- und Geschäftsführung. Sehr gerne befaßte er sich mit der Baukunst, wofür er ganz besondere Anlagen besaß. Er entwarf die Pläne für das Schulhaus in Einsiedeln, das anfangs der Vierzigerjahre erstellt wurde. Er selber leitete den Bau, der aber erst am 12. November 1846, als Pater Heinrich bereits Abt war, bezogen werden konnte. Ebenso baute er um die gleiche Zeit das große Pfarrhaus in Schnifis.
Als sich nach dem Tode Abt Cölestins, am 23. April 1846, die 63 wahlberechtigten Mitglieder des Stiftes, unter dem Vorsitze des Nuntius Maciotti zu einer Neuwahl versammelten, konnte kaum ein Zweifel über das Ergebnis der Wahl herrschen. P. Heinrich war in den letzten Jahren des verstorbenen Abtes dessen rechte Hand gewesen und hatte eine solche Erfahrung in der Behandlung der Menschen und Geschäfte erworben, daß er allgemein als Nachfolger galt. Schon im ersten Wahlgang vereinigte sich die Mehrzahl der Stimmen auf ihn. Da inzwischen Papst Gregor XVI. gestorben war, verzögerte sich die päpstliche Bestätigung bis zum 27. Juli, sodaß die feierliche Benediktion erst am 20. September durch den Nuntius Maciotti, unter Assistenz des Bischofs Kaspar von Karl in Chur und des Abtes Eugen von Büren aus Engelberg abgehalten werden konnte. Zugleich wurde auch der am 21. Februar des Jahres gewählte Abt von Disentis, Anselm Quinter, benediziert.
Gleich am Tage nach seiner Benediktion versammelte Abt Heinrich die erschienenen Äbte der Kongregation, die ihn zu ihrem Präses bestellten. Als solcher hatte er mehr denn einmal recht heikle Aufgaben zu erfüllen. Schon am 28. Oktober 1846 brannte das Kloster Disentis nieder. Der Wiederaufbau des Stiftes zog diesem eine drückende Schuldenlast zu. Dazu kamen schwere Eingriffe der Bündnerregierung, die die Novizenaufnahme beinahe verunmöglichte. Im Kloster selber riß große Unordnung ein, sodaß nach dem Tode des Abtes Anselm, 1858, die Abtei vorläufig unbesetzt blieb. Man wollte zunächst Garantien für ein wirkliches Gedeihen nach innen und außen haben. Abt Heinrich wurde zum apostolischen Visitator ernannt und als solcher Oberer in Disentis. Er gab sich große Mühe, eine Besserung der Dinge herbeizuführen. Am 15. Juli 1859 ernannte Rom den Einsiedler Konventualen P. Georg Ulber zum Abte von Disentis. Aber die Verhandlungen mit der Regierung fanden nicht die Anerkennung Roms und so verzichtete P. Georg auf die an ihn ergangene Berufung. Endlich durfte das aus neun Mann bestehende Kapitel einen Dreiervorschlag dem Nuntius und dem Visitator einreichen. Diese bestellten nun P. Plazidus Tenner zum Subprior, dem Rom das Recht der Pontifikalien verlieh. Abt Heinrich suchte seiner Bürde entledigt zu werden und am 5. August 1861 ernannte Rom den Bischof von Chur zum Visitatoren. Dieser berief den frühern Abt von St. Bonifaz in München, Paulus Birker, nach Disentis (1861-77). Der neue Abt suchte mit Hilfe einer Reihe aus Einsiedeln ihm zur Verfügung gestellter Kapitularen vor allem das Schulwesen zu heben und so die Regierung günstiger zu stimmen. Doch war seine Regierung wenig glücklich und 1877 dankte er ab.
Das für die katholische Kirche der Schweiz so unheilvolle Jahr 1848 brachte den thurgauischen Klöstern den Untergang; unter ihnen befand sich auch das Benediktinerstift Fischingen, das durch 700 Jahre hindurch treu seiner Aufgabe nachgekommen war. Der jüngste Konventuale, P. Maurus Benedikt Tschudi, trat 1862 ins Stift Einsiedeln über.
Tiefen Schmerz bereitete dem Abt das Schicksal des altehrwürdigen Stiftes Rheinau, dem schon seit 1835 die Novizenaufnahme untersagt war und das darum zum Aussterben verurteilt war. Die Zürcher Regierung duldete es einzig noch aus dem Grunde, weil sie fürchten mußte, bei einer Aufhebung die im Großherzogtum Baden gelegenen Güter zu verlieren. Nachdem aber diese Frage einmal geregelt war, lag kein Hindernis mehr vor und so schritt man 1861 zu den Vorbereitungen der Aufhebung, die am 3. Febr. 1862 erfolgte. Wohl hatten Abt und Konvent in einer Reihe von Eingaben sich bemüht, das Kloster zu retten und Abt Heinrich war ihnen mit Rat und Tat treu beigestanden. - Die letzten Lebenstage des Abtes wurden verdüstert durch die Aufhebung des Klosters Mariastein, das am 18. September 1874 durch die Solothurner Regierung «reorganisiert» wurde. So besaß der Benediktiner Orden, als Abt Heinrich starb, nur mehr drei Klöster auf Schweizerboden.
In politischer Hinsicht sahen die Zeiten sehr schlimm aus, als Abt Heinrich an die Regierung kam. Die Berufung der Jesuiten durch Luzern und die folgenden Freischarenzüge hatten die politischen Leidenschaften aufs höchste ansteigen lassen. Zum Schutze ihrer Interessen schlossen die katholischen Kantone den sogen. Sonderbund, der alsbald dem Sonderbundskrieg rief. Während am 22. und 23. November 1847 die entscheidenden Schläge bei Gisikon fielen, rückten die eidgenössischen Truppen auch gegen den Kanton Schwyz heran. Oberst Blumer unternahm am 24. November einen Angriff auf die Schwyzertruppen bei Schindellegi, mußte sich aber zurückziehen; dafür besetzte Oberst Källy am gleichen Tage die Höfe. Abt Heinrich hatte unterdessen sichere Kunde vom Falle Luzerns erhalten und begab sich darum am 25. November zum Kommandanten der Schwyzertruppen, Alois von Reding, nach Biberbrück. Er stellte ihm das Aussichtslose eines Kampfes vor und riet dringend, einen Waffenstillstand einzugehen. Dieser kam auch wirklich zustande und wurde am 27. November vom Schwyzer Volke angenommen. Die klosterfeindlichen Elemente in Einsiedeln begrüßten dies Ereignis mit Freudenschüssen und holten gewaltsam die Klostermörser, um die am folgenden Tage in Einsiedeln einziehenden eidgenössischen Truppen zu begrüßen. Auch der Glockenturm wurde von ihnen besetzt und das erste einziehende Bataillon mit feierlichem Geläute empfangen. Aber diese Elemente sollten nicht auf ihre Rechnung kommen, denn das Kloster befand sich unter dem Schutze der eidgenössischen Bayonette in sicherer Hut. Am folgenden Tage erschien Oberstbrigadier Blumer und nahm mit seinem Stabe im Kloster Quartier. Der Abt empfing die Offiziere aufs zuvorkommendste. Das gegenseitige Verhältnis gestaltete sich sehr gut; das sichere Auftreten des Abtes flößte allen die größte Achtung ein. Nebst den Offizieren im Kloster hatte man auch die Truppen im Dorfe bis zu 1000 Mann zu verpflegen resp. für deren Verpflegungskosten aufzukommen. Die Einquartierung dauerte vom 28. November 1847 bis zum 11. Februar 1848 und kam das Kloster auf ungefähr 40,000 Franken zu stehen. Doch das war noch das kleinere Übel. Auf den 20. Dezember hatte Schwyz eine erste Zahlung von 48,000 Franken an die überbundenen Kriegskosten zu entrichten. Da kein Geld vorhanden war, wandte sich die Regierung an das Stift mit dem Verlangen, 50,000 Franken dem Lande vorzustrecken. Zunächst erbot man sich, 4000 Louisdor in Pfandtitel auszuhändigen, damit der Kanton daraufhin Geld aufnehmen könne. Aber schon tags darauf (14. Dezember) erklärte Schwyz, daß man auf den 20. Dezember für eine Barschaft von 49,000 Franken zu sorgen habe «unter Verantwortlichkeit für die Folgen, wenn es nicht geschehen sollte». Es gelang dem Kloster, bei Schultheß-Rechberg in Zürich 50,000 Franken zu 6 % erhältlich zu machen, wofür man 70,000 Franken an Titeln zu hinterlegen hatte. Der Rat genehmigte diese Lösung am 21. Dezember. Inzwischen war die von Schwyz zu leistende Summe durch die Tagsatzung auf 220,000 Franken festgesetzt worden. Am 21. Januar beschloß der Rat, daß das Kloster davon einen Dritteil durch Wertschriften zu decken habe; das übrige sollten die Bezirke decken. Allein in Bern nahm man die Realkaution der Bezirke nicht an, worauf die Regierung am 11. Februar das Kloster ersuchte, auch für die übrigen Zweidrittel die Kaution zu stellen. Wohl oder übel mußte das Kloster sich dazu verstehen, wogegen man die Kautionen der Bezirke hinterlegt bekam. Man versprach auch von Seite der Regierung, bei einer spätern Verteilung der Schuld und bei allfälligen Steuererhebungen gebührende Rücksicht auf das Kloster zu nehmen. So mußte das Kloster nebst 73,343 Franken bei Schultheß-Rechberg in Zürich noch 143,692 Franken an Wertschriften bei der Eidgenossenschaft hinterlegen. Der Kanton sollte in drei jährlichen Terminen die Wertschriften einlösen. Aber auch dafür fehlte in Schwyz das Geld, zumal die Staatskasse auch sonst noch mit Schulden belastet war. Die Tagsatzung verweigerte einen Nachlaß und ein von der Regierung vorgeschlagenes Steuergesetz fiel durch. Da erklärte das Kloster, nicht nur für ein neues Anleihen Bürgschaft zu leisten, sondern auch «die Hälfte der noch ausstehenden Kriegsschuld an die Eidgenossenschaft in eigenen Kosten zu übernehmen und dieselben in gleichen Terminen zu bezahlen, wie der Kanton die andere Hälfte abtragen wird». Dieses Anerbieten hatte die gute Wirkung, daß ein neues Steuergesetz nun angenommen und ein neues Anleihen von 100,000 Franken in Basel, ermöglicht wurde. Aber in Schwyz war man noch nicht zufrieden. Am 30. Oktober 1848 nahm der Kantonsrat die Verteilung der Steuern zwischen dem Kanton und dem Kloster vor. Das Kloster hatte, wie wir oben sahen, die Hälfte der Kriegsschuld, ungefähr 110,000 Franken freiwillig übernehmen wollen, statt dessen überband man ihm nun die Hälfte der gegen eine halbe Million betragende Staatsschuld, insgesamt 226,983 Franken. Gleichzeitig untersagte man dem Stift den Verkauf von Liegenschaften. Wohl oder übel mußte man auch dieses Opfer auf sich nehmen, es war immerhin besser, als alles zu verlieren. Freilich, um das Geld erhältlich zu machen, mußte man sich zum Verkauf der 1632 erworbenen Herrschaft Gachnang im Thurgau entschließen. Diese ging um 34,000 Gulden am 4. Januar 1849 an Herrn Lüthi-Kronauer in Zürich über.
Das Jahr 1848 brachte aber noch anderweitige Prüfungen. In Bellenz legte die Tessiner Regierung der Residenz eine Zwangsanleihe von 15,000 Mailänder Liren, ca. 7500 Schweizer Franken, auf. Im August 1847 noch hatte Abt Heinrich der Residenz einen Besuch abgestattet und war dort sehr ehrenvoll empfangen worden. Aber der dortigen Schule war nur mehr eine kurze Existenz beschieden. Schon 1846 war ein klosterfeindliches Gesetz ergangen, das 1848 noch verschärft wurde. Am 17. Mai 1852 legte die Regierung dem Großen Rate einen neuen Gesetzesentwurf vor, der die Aufhebung aller männlichen Orden, die sich mit der Erziehung befaßten, und die Errichtung neuer staatlicher Schulen vorschlug. Auch die Residenz war unter den aufzuhebenden Klöstern aufgeführt. Propst P. Pius Regli machte in einer Erklärung vom 23. Mai die Regierung aufmerksam, daß die Residenz kein Kloster darstelle, daß die Güter ferner zum Teil der Stadt Bellenz, zum Teil dem Kloster Einsiedeln, das sie ehrlich erworben habe, zugehörten. Aber am 28. Mai nahm der Große Rat den Aufhebungsantrag mit nur einer Stimme Mehrheit an. Naturgemäß wehrten sich auch die vier übrigen vom Gesetz betroffenen Kollegien resp. religiösen Genossenschaften (die Serviten in Mendrisio, die Somascher in Lugano, das Seminar in Pollegio und das Kolleg in Ascona), doch ohne jeden Erfolg. Für die Residenz wehrte sich auch die Stadt Bellenz. Abt Heinrich verwahrte sich in einem Schreiben vom 23. Juni gegen eine beabsichtigte Einziehung jener Residenzgüter, die dem Kloster zugehörten. Mitte August schloß man das Schuljahr und die Mehrzahl der Patres kehrte heim; nur zwei blieben zurück, um die Interessen des Klosters gegen den Staat zu wahren. Die Regierung hatte am 14. August 1852 Staatsrat Fogliardi mit der Liquidation des Residenzvermögens betraut. Ein neues Inventar wurde aufgenommen, den Patres das Tragen des Ordenskleides verboten. Die Verhandlungen über den Ausscheid der dem Kloster und der Schulstiftung gehörenden Wertobjekte zog sich sehr in die Länge und gestaltete sich äußerst schwierig. Die Regierung wollte den größten Teil für sich in Anspruch nehmen. Dagegen verwahrte man sich natürlich von Seite des Klosters. Endlich schlug sie ein Schiedsgericht vor. So hob ein langer Prozeß an, der erst am 26. Oktober 1855 schiedsgerichtlich erledigt wurde. Dem Stifte wurde die Residenzbibliothek nebst einer Entschädigung von 40,000 Franken zugesprochen, während Einsiedeln im Laufe von 175 Jahren aus eigenen Mitteln rund 175,000 Franken ausgelegt hatte. Erst im Januar 1856 konnten die beiden zurückgebliebenen Patres heimkehren. So ging dieser Besitz über dem Gotthard verloren, der stets ein wichtiges Bindeglied zwischen Nord und Süd gebildet hatte.
Der Sonderbundskrieg und seine schlimmen Folgen, wie auch die Vorgänge im Tessin, hatten die unsichere Lage der Schweizerklöster grell beleuchtet. Daraus erklärt sich auch der Gedanke, in der neuen Welt drüben eine Niederlassung zu schaffen, um für den Fall der Vertreibung eine sichere Zufluchtsstätte zu haben. Die Anregung dazu ging freilich von Amerika selbst aus. Im Sommer 1852 kam der Generalvikar von Vincennes, in Indiana (Nordamerika) nach Einsiedeln. Er bat um dringende Hilfe in der Missionierung seiner Diözese. Durch die Aufhebung der Residenzschule waren neue Kräfte frei geworden und so erklärten sich Abt und Konvent einverstanden. Schon am 21. Dezember 1852 reisten die ersten zwei Patres, P. Beda O'Connor und P. Ulrich Christen nach Amerika ab. Sie halfen zunächst in Vincennes in der Seelsorge aus, sahen sich aber gleichzeitig nach einer günstigen Stätte für eine Klostergründung um. Schon im folgenden Jahre erfolgte die Gründung eines Priorates, das zu Ehren des ersten Bewohners von Einsiedeln, St. Meinrad, geheißen wurde. In den Jahren 1853, 1855 und 1857 folgten weitere Patres nach. Die Schwierigkeiten waren freilich sehr groß und mehr denn einmal dachte man daran, das Unternehmen fallen zu lassen. Aber Abt Heinrich ließ nicht nach; er sandte von seinen tüchtigsten Leuten hinüber, so 1860 P.Martin Marty und P.Fintan Mundwiler, unter deren Leitung sich das Ganze allmählich hob. Abt Heinrich erlebte 1870 die Freude, daß das Priorat zur Abtei und P. Martin zu deren ersten Abt erkoren wurde. Das neue Kloster nahm in der Folge eine sehr gute Entwicklung und zählte 1930 67 Patres, 22 Kleriker und 45 Brüder. Es versieht heute die Seelsorge in 14 Pfarreien und unterrichtet an einem Seminar und zwei Gymnasien über 500 Studenten.
Die Wallfahrt nach Einsiedeln sah gerade in den stürmischen Tagen der Sonderbundszeit einen großen Aufschwung. Am 17. Oktober 1847 kamen beispielsweise 12,000 Schwyzer nach Einsiedeln gepilgert. Unter den vornehmen Pilgern, die das Heiligtum aufsuchten, sind neben dem fürstlichen Paare von Hohenzollern, das mehrmals hier weilte, die Kardinale Bonchose von Evreux (1857), Hohenlohe, Reisach (1860), Schwarzenberg (1862), zu nennen. Der berühmte Bischof Dupanloup, der mehrfach nach Einsiedeln kam und mit Abt Heinrich befreundet war, brachte am 14. August 1857 von St. Benoit sur Loire eine Reliquie des hl. Benedikt, die feierlich empfangen wurde. Die Feier der sogen. Großen Engelweihe, die bis dahin immer 14 Tage gedauert hatte, wurde 1856 auf acht Tage eingeschränkt.
Mitten in den Stürmen des Schicksalsjahres 1848 hatte Abt Heinrich die Vergrößerung der Stiftsschule in Angriff genommen, wozu ihn hauptsächlich die PP. Ulrich Christen und Gall Morel veranlaßten. Durch die Vertreibung der Jesuiten waren ein zweites Mal die höhern katholischen Schulen in der Schweiz eingegangen. Es galt, so schnell wie möglich Ersatz zu schaffen und es bleibt für immer ein größtes Verdienst des Abtes, daß er die Zeichen der Zeit rasch erfaßte. Noch im Sommer 1848 wurden die bisherigen Schulräumlichkeiten, die für gut drei Dutzend Zöglinge Raum geboten hatten, umgebaut, so daß man bereits im Herbst an die 100 aufnehmen konnte. Dem Gymnasium wurde das Lyzeum angefügt, ein Kurs von zwei Klassen für Philosophie und Physik. Abt Heinrich konnte auch der Schule, zumal nach der erzwungenen Aufhebung des Gymnasiums in Bellenz, tüchtige Kräfte zur Verfügung stellen. Neben den schon genannten PP. Gall Morel und Ulrich Christen waren es die PP. Athanas Tschopp, Karl Brandes, Meinrad Kälin, Georg Ulber, zu denen sich bald die PP. Basil Oberholzer, Kaspar Willi und Ildefons Hürlimann gesellten. Für die höhere Ausbildung dieser Lehrkräfte tat Abt Heinrich vieles. Er sandte die Patres auswärts an höhere Schulen, so die PP. Georg Ulber und Alois Ibele, nach Brixen, wo damals die später so berühmten Männer Feßler und Gasser wirkten. P. Raphael Kuhn kam nach dem berühmten Stift Kremsmünster, um in den Naturwissenschaften sich auszubilden. Zur Erlernung fremder Sprachen, besonders des Französischen, gingen manche in die Westschweiz oder nach Frankreich. Lehrmittel und wissenschaftliche Sammlungen wurden vermehrt. Die alte Einsiedler Grammatik erlebte eine neue Bearbeitung. Seit 1849 erschien eine wissenschaftliche Beilage zu dem Jahresbericht der Stiftsschule. Der Abt nahm selber fleißig an den Schulprüfungen teil, beschenkte strebsame und fleißige Schüler und unterstützte reichlich ärmere Studenten. Seine Verdienste um die Schule ehrte die Universität Freiburg i. Br. am 5. August 1857 mit der Verleihung des Ehrendoktors der Theologie.
Für Bellenz schien sich bald ein Ersatz zu finden, denn die Schwyzer Regierung anerbot dem Kloster das von den Jesuiten errichtete Kollegium in Schwyz. In letzter Stunde scheiterten aber die Verhandlungen an scheinbar geringfügigen Differenzen.
Das Kloster Fahr, das 1850 13 Frauen und 7 Konversschwestern zählte, hatte in den 50er Jahren erneut unter den Plackereien der Aargauer Regierung zu leiden. Aarau erlangte 1855 die Einweisung in die Verwaltung der Güter, die auf Zürcher Boden lagen. Neue Versuche, das Kloster zu unterdrücken, wurden nach 1860 gemacht, doch fand das Kloster auch hier wieder den Schutz der Zürcher Gerichte. Die Novizenaufnahme wurde 1865 verboten. Das Jahr 1871 brachte dazu eine neue staatliche Inventarisation. Doch besserten sich dann aisgemach die Verhältnisse. - Den Schwestern in der Au gab der Abt schon 1848 einen seiner Konventualen als ständigen Beichtvater.
Ebenfalls 1848 wurde in Willerzeil eine eigene Kuratie eröffnet. Die Pfarrei Sarmenstorf kam 1858 definitiv von Einsiedeln weg. Den 29. August 1863 konnte der Abt die vergrößerte St. Nepomukkapelle in Groß konsekrieren. Im Jahre 1866 trennte sich Schötz von der Einsiedeln unterstehenden Pfarrei Ettiswil. Die Kaplanei in Freienbach, die bis anhin von einem Weltgeistlichen versehen worden war, wurde 1872 mit einem Konventualen besetzt. In Nüziders äscherte eine Feuersbrunst am 5. Mai 1865 einen großen Teil des Dorfes ein; auch der Pfarrhof fiel den Flammen zum Opfer. Am 17. August 1868 entstand auch in Schnifis ein großer Brand, der den dortigen Pfarrhof stark beschädigte.
Schon um die Mitte der 50er Jahre beschäftigte den Abt lebhaft der Gedanke an die Feier des 1000-jährigen Todestages des hl. Meinrad, des ersten Bewohners von Einsiedeln. Es galt, diesen Tag in würdiger Weise zu feiern. Darum wurde eine Renovation des Kirchenchores in Aussicht genommen - die Kirche hatte ja erst Abt Cölestin erneuern lassen - und im Jahre 1857 auch begonnen. Bei seiner Vorliebe für die Baukunst leitete der Abt den Bau der Gerüste selbst und überwachte auch die sonstigen Arbeiten persönlich. Mit der Erneuerung der Gemälde wurde der bekannte Maler M. Paul von Deschwanden betraut, der sich leider nicht mit einer bloßen Renovation begnügen konnte, sondern vielfach übermalte. Eine erneute Restauration hat 1912/13 diese Zutaten wieder verschwinden lassen. Der Verlust des durch Kraus geschaffenen Hochaltarbildes läßt sich freilich nicht mehr ersetzen. Der Chor erhielt 1860 auch einen neuen, marmorenen Fußboden. Größere Bauten hat Abt Heinrich sonst nicht ausführen lassen. Zu erwähnen ist die Entfernung der alten Beinhauskirche auf dem Klosterplatz, die diesem je länger je weniger zur Zierde gereichte und darum 1859 wegkam. Auf der Ufnau wurde anläßlich der 900jährigen Wiederkehr des Todestages der sel. Reginlinde die dortige Martinskapelle, auch Reginlindenkapelle geheißen, renoviert. Ebenso fand 1862 eine Erneuerung der St. Gangulphskapelle auf dem Brüel statt. Der Fraubrunnen wurde auf das Millenarium hin restauriert. In die Gnadenkapelle kamen 1862 zwei in Paris gegossene Basrelief, die die Übertragung des Gnadenbildes nach Einsiedeln und den Tod des hl. Meinrad darstellten.
Wie der Abt sich stets gerne mit Baufragen befaßte - er half auch 1857 beim Bau einer katholischen Kirche in Bern tatkräftig mit - so äußerte sich bei ihm auch allzeit eine Vorliebe für die Geschichte, speziell für die Klostergeschichte. Er selber half mit bei den Vorbereitungen für die Festschrift, die 1861 erscheinen sollte und stellte einen Katalog aller Mitglieder des Stiftes, soweit sie ausgemittelt werden konnten, zusammen. Er und sein Konvent widmeten diese Festschrift dem Fürsten Karl Anton Meinrad von Hohenzollern, aus dessen Geschlecht einst der hl. Meinrad hervorgegangen sein soll. Schon früher waren durch Baron Stillfried, der sich mit der Geschichte des Hauses Hohenzollern befaßte, die alten Beziehungen zu den süd- und norddeutschen Hohenzollern wieder angeknüpft worden. Fürst Karl Anton, der 1855 den Hofmaler Mücke mit der Schaffung eines Bilder-Cyklus aus dem Leben des hl. Meinrad beauftragt hatte, schenkte dem Kloster auf das Jubeljahr hin zwei große Ölgemälde, mit Szenen aus dem Leben des Heiligen. Kaiser Wilhelm I. von Preußen verehrte auf den gleichen Anlaß hin das Bild seines Bruders, König Friedrich Wilhelm IV., dem er 1866 sein eigenes folgen ließ. Den gleichen Beziehungen ist es auch zu verdanken, daß Abt Heinrich am 10. September 1861 durch König Pedro V. von Portugal, einem Verwandten der Hohenzollern, zum Commandeur des Militärordens von der Empfängnis U. L. Frau von Villa Viçosa ernannt wurde. Der Fürst selber verlieh dem Abt anläßlich seines Besuches in Einsiedeln das Ehrenkreuz erster Klasse des fürstlichhohenzollerischen Hausordens. Aber auch mit dem Herrscher von Frankreich, Napoleon III., der früher mit seiner Mutter Einsiedeln besucht hatte, unterhielt man gute Beziehungen. Der Kaiser, der schon früher die Bildnisse seiner Familie in Stichen geschenkt hatte, sandte 1863 sein und seiner Gemahlin Bild in Öl gemalt. Er schenkte 1865 auch den großen Kronleuchter für die Stiftskirche. Kaiser Franz Josef I. von Österreich schenkte 1859 sein und seiner Gemahlin Bild; 1866 auch das des Kronprinzen Rudolf. Diese Gemälde, die heute noch den sogen. Fürstensaal des Stiftes zieren, legen heute noch Zeugnis ab für das große Ansehen, dessen sich Abt Heinrich erfreute.
Den Höhepunkt seiner Regierung bildete unstreitig das Jubeljahr 1861. Für die Einheimischen fand am 21. Januar, dem Festtage des Heiligen, eine Feier statt; für die Pilger wurden die Engelweihfeierlichkeiten, sowie der 29. September und der 13. Oktober, das Translationsfest des hl. Meinrad, in Aussicht genommen. Aber das ganze Jahr über kamen sehr viele Pilger, man hat ihre Zahl auf ca. 210,000 geschätzt. Auch viele Bischöfe und Äbte statteten dem Stifte ihren Besuch ab. Abt Heinrich selber besuchte im Sommer dieses Jahres den Fürsten von Hohenzollern, der ihn mit großen Ehren aufnahm. Später, 1868, suchte der Abt auch das Grab seines hl. Namenspatrons, St. Heinrich, in Bamberg auf.
Nach 1861 folgten ruhigere Zeiten, die im Innern der Hebung und Förderung des richtigen Ordensgeistes, nach Außen der Förderung des materiellen Wohlstandes des Klosters galten. Gemäß einer römischen Verordnung durften seit 1858 die Religiosen nicht mehr ewige Gelübde ablegen, sondern mußten zunächst nach Abschluß des Noviziates zeitliche Gelübde auf drei Jahre ablegen, erst dann konnten sie zur feierlichen Profeß zugelassen werden. - Von den Konventualen wurde am 21. Dezember 1868 der damalige Pfarrer von Einsiedeln, P. Kaspar Willi, vom Hl. Stuhl zum Weihbischof von Chur ernannt. Er empfing in Einsiedeln den 7. März 1869 die Bischofsweihe. Schon früher hatte, am 27. Juni 1858, die feierliche Benediktion des Propstes Aeby von St. Nikolaus in Freiburg in Einsiedeln stattgefunden, der zwei Tage später die Konsekration des Weihbischofs von Chur, Albrecht von Haller, gefolgt war. - In der Person seines Landsmanns, P. Franz Uhr, hatte Abt Heinrich einen sehr tüchtigen Ökonom gefunden, dessen früher Tod, 1863, ihm sehr zu Herzen ging. Auch für die öffentlichen Angelegenheiten besaß der Abt stets einen offenen Sinn und eine offene Hand. An die Gotthardbahn zeichnete er 1866 einen Aktienbeitrag von 50,000 Fr. Im gleichen Jahre gewährte er dem Kanton Schwyz eine Bürgschaft in der Höhe von 150,000 Fr. Ebenso zeichnete er an die Wädenswil-Einsiedler Bahn einen großen Aktienbetrag.
Die Berufung zum vatikanischen Konzil erfüllte den Abt mit lebhafter Freude. Als Präses der Schweizerischen Kongregation und als Abt eines dem Hl. Stuhl unmittelbar unterstellten Stiftes war er zur Teilnahme berechtigt. Am 14. November 1869 brach er in Begleitung des eben in der Heimat weilenden Priors von St. Meinrad, P. Martin Marty, und P. Gregor Ulbers, den er als Theologe mitnahm, nach Chur auf, wo sich ihm Bischof Kaspar Willi und Dompropst Decurtins anschlossen. Loreto und Assisi wurden besucht, ehe man am 21. November in Rom anlangte, wo der Abt am 3. Dezember die erste Audienz bei Pius IX. hatte. Den Konzilsverhandlungen folgte der Abt mit größter Aufmerksamkeit. Er war daheim gegen die Opportunität der Infallibilitätserklärung gewesen, sah aber in Rom bald ein, daß der Entscheid kommen müsse. Er sah aber auch die Ereignisse voraus, die in der Schweiz ein Entscheid im Sinne der Infallibilitätsfreunde haben mußte und wies auch in seinem Votum darauf hin. In der freien Zeit besichtigte er die ewige Stadt, wobei ihn vor allem die Baudenkmäler interessierten. Daneben machte er aber auch größere Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung von Rom. So ging er auf das St. Benediktsfest 1870 nach Monte Casino, wo er das feierliche Pontifikalamt hielt. Auch in Neapel und Subiaco war er. An der Kurie selber betrieb er die Erhebung des Priorates St. Meinrad zur Abtei, die am 30. September 1870 erfolgte. P. Martin wurde der erste Abt. Da die Sommerhitze ihm sehr zusetzte und die wachsende Aufregung in der Heimat eine Rückkehr rätlich erscheinen ließen, so kam er um Urlaub ein, der ihm bis zum 10. November gewährt wurde. Am 15. Juli hatte er seine Abschiedsaudienz bei Pius IX. Da aber der Tag der Unfehlbarkeitserklärung, der 18. Juli, unmittelbar bevorstand, wollte er diesem feierlichen Akte noch beiwohnen. Er machte auch auf ihn einen unauslöschlichen Eindruck. Über Civitavechia, Livorno, Pisa, Florenz, Bologna kehrte er über das Südtirol, wo er das Stift Muri-Gries besuchte, in die Heimat zurück. Am 30. Juli kam er in Einsiedeln an, wo ihn der Konvent feierlich empfing.
Im gleichen Jahre noch war es dem Abte vergönnt, am 20. Oktober 1870, sein goldenes Profeßjubiläum zu feiern und am folgenden 23. April waren es 25 Jahre her, seit er dem Stifte vorstund. Beide Anlässe benützten seine Söhne, um ihn ihrer dankbaren Gesinnung zu versichern. Aber diese Tage mahnten auch den Abt, daß sein Leben zur Neige gehe. Die Symptome des Alters zeigten sich immer mehr. Die alte Entschlossenheit und Unternehmungslust schwanden. Doch verfolgte er noch mit größtem Interesse die Entwicklung der Dinge in der Schweiz, die wenig Gutes ahnen ließen. Der Kulturkampf rüttelte die Geister mächtig auf. Dazu kamen die Kämpfe, die sich um die Revision der Bundesverfassung erhoben. Ein letzter Freudentag brachte der 4. Oktober 1874, der Tag seiner Sekundiz. Er war freilich bereits zu schwach, um selbst ein Pontifikalamt zu halten, denn seit Ende 1873 hatte sich die Wassersucht festgesetzt. Der Freudentag wurde ihm allerdings vergällt durch die am gleichen Tag erfolgte Unterdrückung des Stiftes Mariastein. Die Kräfte schwanden in der Folge rasch. Am 26. Dezember empfing er die letzte Ölung und am Abend des 28. Dezember gab er seine Seele in die Hand des Schöpfers zurück. Am 2. Januar 1875 wurde die sterbliche Hülle im Beisein der Bischöfe Lachat von Basel und Willi von Chur, sowie des Abtes Leodegar Ineichen von Rheinau in der Äbtegruft beigesetzt. Dekan Rüttimann von Tuggen, ein guter Freund des Verstorbenen, hielt die Leichenrede.
«Jede Zeit fordert ihren Mann; Heinrich hat ihr den seinigen gestellt», so schreibt Rektor P. Benno Kühne in seinen «Gedenkblättern auf Dr. Heinrich Schmid, Abt von Einsiedeln1020 und fährt fort: «Ein Geistesmann wie Konrad Tanner ist er nicht gewesen, allein einen solchen forderten die Zeitverhältnisse auch nicht. Abt Heinrichs Größe und Verdienst besteht darin, daß er seine Zeit verstand und die ihm von der Vorsehung in dieser Beziehung zugewiesene Aufgabe in der Leitung seines Stiftes ganz und voll erfaßte. Dazu bedurfte es eines klaren Verstandes, energischer Willenskraft, vereint mit praktischem Geschick und umsichtiger, taktvoller Kaltblütigkeit. Diese Gaben waren dem Abte in hohem Maße eigen; sie machten es ihm möglich, sein Stift im Sturm der Sonderbundszeit vor dem drohenden Untergang zu retten, eine Leistung, die ihn allein schon den verdientesten seiner Vorgänger würdig zur Seite stellen würde. Allein sein Wirken ist noch überdies durch die schönsten Erfolge auf dem Gebiete geistigen und materiellen Fortschrittes gesegnet. Der äußere Bau der Stiftsschule steht da als selbstredendes Denkmal für den Abt, der durch sein Interesse für das Schulwesen dem geistigen Leben und Schaffen seiner Genossenschaft einen neuen Impuls gegeben. Für das materielle Gedeihen derselben hat er durch weise Organisation der Verwaltung, durch Regelung der Beziehungen mit dem Kanton und der Waldstatt, eine solide Grundlage geschaffen. Die Zahl der Mitglieder des Stiftes ist unter ihm von 74 auf 105 gestiegen, wie der Katalog, der auf seine Sekundiz am 4. Oktober 1874 gedruckt wurde, nachweist. Die Wallfahrt erhielt einen größeren Aufschwung, indem die Durchschnittszahl der Pilger, welche unter seinen drei Vorgängern, den Äbten Cölestin Müller, Konrad Tanner und Beat Küttel zwischen 130,000 bis 145,000 geschwankt halte, auf 160,000 gestiegen war. Seinem Stifte hatte er einen geachteten Namen bei den höchsten Behörden der Schweiz und des Kantons, in den Kreisen der Staatsmänner wie der Gelehrten, im In- und Auslande, verschafft. Es war ihm die seltene Freude beschieden, dasselbe aus dem ersten Jahrtausend seines Bestandes in das zweite hinüberzuführen und das mit der gewiß noch selteneren Genugthuung, daß es nach tausend Jahren noch so blühend und lebensfrisch, wie nur jemals im Laufe seiner langen Geschichte dastand. Zwei seiner geistlichen Söhne waren ihm zur Seite mit der Inful geschmückt. Der Wirkungskreis des Stiftes war durch Übernahme neuer Stellen beträchtlich erweitert; in der neuen Welt hatte der alte Stamm einen frischen, hoffnungsvollen Zweig getrieben.
Er war einer jener markigen, scharf ausgeprägten Charaktere, wie sie in einem abgeschliffenen Zeitalter nicht mehr zu häufig vorkommen. Durch die äußere Hülle schien die geistige Eigentümlichkeit deutlich hindurch. Ein schöner, stattlicher Mann, groß und kräftig gebaut, mit aufrechter Haltung und festem Schritt, hatte er ein volles Gesicht mit scharfen Zügen und durchdringendem Blick. Das schneeweiße, volle Haar stand ihm vortrefflich, den Ernst zur Milde stimmend, und wenn er im vollen Pontifikalschmuck die gottesdienstlichen Funktionen vollzog, war er eine imponierende, alles für sich einnehmende Erscheinung. Man hat ihn den ,General in der Kutte' genannt, ein schöner, und ehrenvoller Vergleich, wenn man weiß, daß der hl. Benedikt in dem Prolog zu seiner Regel den von ihm gestifteten Orden mit einem Kriegsdienst vergleicht, in welchem die Soldaten die starke vind herrliche Waffenrüstung des Gehorsams anziehen, um, wie es weiter im ersten Kapitel heißt, unter einem Abte den geistlichen Feldzug mitzumachen».

Letzte Aktualisierung: 22.01.2013 – Impressum
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