Professbuch: Äbte

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43. Maurus von Roll aus Solothurn
Maurus von Roll aus Solothurn (1698 bis 1714). Johann Josef von Roll entsproß den 30. Juli 1653 einer der vornehmsten Solothurner Familien. Seine Eltern waren Vogt Philipp von Roll und Maria Gugger. In Einsiedeln trat er 1668 ins Noviziat ein und legte den 4. August 1669 als Fr. Maurus Profeß ab. Den 22. September 1674 erhielt er die Subdiakonatsweihe. Schon am 9. Oktober 1675 sandte ihn der Abt mit den ersten Lehrern an die neu zu eröffnende Schule in Bellenz. Zum Empfang der weitern Weihen kehrte er heim und erhielt am 19. Dezember 1676 in Luzern die Diakonats- und am folgenden Tage die Priesterweihe. Aus besonderer Rücksicht auf seine Familie wurde ihm erlaubt, am 27. Dezember in St. Urs zu Solothurn seine Primiz zu halten. Von dort kam er kurz nach Einsiedeln und ging den 5. Januar 1677 wieder nach Bellenz, wo er bald das Amt eines Prokurators (Ökonomen) übernahm. Im Sommer 1680 mußte er das Bad Pfäfers aufsuchen, von dort kam er auf der Rückreise nach Einsiedeln, das er am 11. August wieder verließ. 1684 wurde er, der auch in Bellenz sehr gerne und häufig und mit großem Erfolge predigte, nach Solothurn berufen, um dort Ende Mai die Kirchweihpredigt zu halten. Ebenso predigte er 1687, den 24. September, anläßlich der Engelweihfeierlichkeiten in Einsiedeln. Auch 1690 erfahren wir wiederum, daß er im Oktober in Solothurn predigen mußte, wo er innert sechs Tagen «3 mahlen mit großem Ruhm den Predig-Stuhl versehen» (Dietrich). Den 24. April 1693 erfolgte seine Ernennung zum Propst von Bellenz, wo er die folgenden Jahre sehr gut wirkte. Als anfangs Oktober 1698 Abt Raphael resignierte, kamen die Patres von Bellenz, wie schon 1692, zur Abtwahl nach Hause. Diese fand am 4. Oktober in der großen Sakristei (heutigen Studentenkapelle) statt, unter dem Vorsitz des Nuntius Piazza und der Äbte Leodegar Bürgisser von St. Gallen und Plazidus Zurlauben von Muri. Es hatten sich 65 Wähler eingefunden; fünf waren durch Alter und Krankheit verhindert. Erst im vierten Wahlgang kam die Wahl zustande, indem 39 Wähler sich für den bisherigen Propst von Bellenz, P. Maurus von Roll, aussprachen. Da die Bestätigung durch Innozenz XII. erst den 30. März 1700 erfolgte, konnte die feierliche Benediktion erst am 10. Oktober 1700 in Einsiedeln abgehalten werden. Der Abt war zuerst gewillt, sie in seiner Vaterstadt Solothurn zu empfangen. Der Konvent sprach sich aber dagegen aus, indem er fand, daß die Feier in Solothurn eher noch mehr kosten würde als in Einsiedeln. Die Benediktion nahm Nuntius Piazza vor, für den der Abt bei Goldschmied Läublin in Schaffhausen ein Pektorale bestellte. Eine Herabsetzung der nach Rom zu zahlenden Taxen, um die man mit Rücksicht auf die mißliche Finanzlage eingekommen war, war nicht zu erreichen.
Von Kaiser Karl VI. erlangte der Abt erst am 22. August 1714, also kurz vor seinem Tode, die Regalien. Vermutlich hat der spanische Erbfolgekrieg deren Erlangung verzögert. Mit Zürich erneuerte der Abt 1701 das alte Burgrecht. Altem Herkommen gemäß verehrte der Abt 1702 drei silberne Becher nach Zürich. Als sich 1707 die französischen Heere der Schweiz näherten, mußte der Abt freilich auch zwei ausgerüstete Pferde für den Kriegsfall nach Zürich senden. Der spanische Erbfolgekrieg, in dessen Verlauf Süddeutschland schwer heimgesucht wurde, brachte nach Einsiedeln eine Reihe vertriebener Ordensleute, so aus Murbach, Schuttern, Ochsenhausen, Wiblingen. Das Reichsstift Weingarten, das acht Kompagnien unterhalten mußte, suchte in Einsiedeln um ein Anleihen von 100,000 fl. nach, welchem Verlangen man jedoch mit Rücksicht auf die eigenen Schulden und die großen Bauten nicht entsprechen konnte. In der Schweiz selber brach endlich der längst drohende Bürgerkrieg 1712 aus, der dem Stifte St. Gallen vorübergehend den Untergang brachte. Wenn auch Einsiedeln direkt nicht betroffen wurde, so litt es doch auf seinen Besitzungen - wie so manch andere Schweizerklöster - schwer. Die Zürcher besetzten am 30. Juni 1712 die Insel Ufnau, verwüsteten sie und nahmen die drei Glocken der dortigen Kirchen mit sich. Erst 1736 ließ Abt Nikolaus Inifeld die größere Kirche wieder restaurieren, die St. Martinskapelle wurde sogar erst 1780 wieder hergestellt. - Schon 1699 hatte übrigens eine große Teuerung dem Abt schwere Sorgen bereitet, zumal die Reichsgrenze gesperrt war. Vergebens bemühte er sich bei dem Bischof von Konstanz und dem Abt von St. Blasien, Getreide zu erhalten.
Mit den Bischöfen von Konstanz herrschte unter der Regierung dieses Abtes das beste Einvernehmen. Bischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg kam am 8. Oktober 1707 persönlich nach Einsiedeln, wo er mit ausgesuchter Aufmerksamkeit aufgenommen wurde. Doch fehlte es auch unter Abt Maurus nicht an Rechtshändeln. Der Streit wegen dem Fallrecht in der March war noch nicht beendet, zumal Schwyz sich für seine Untertanen daselbst einsetzte. Der Konvent hielt, um einen guten Ausgang zu erflehen, am 1. Juni 1699, als abends die Kirche geschlossen war, eine eigene Prozession in die Gnadenkapelle und am folgenden Tag eine solche in die Schatzkammer, wo die Schränke mit den hl. Reliquien geöffnet wurden und die Allerheiligenlitanei gebetet wurde. An diesem Tage fiel nämlich in Schwyz der Entscheid, der dahin ging, daß die March sich mit 1500 Münzgulden auskaufen durfte. Die Summe war auf Weihnachten 1699 zu entrichten. Wegen dem Wortlaut der am 28. Dezember vom Abt darüber ausgestellten Quittung kam es nochmals zu Anständen; Schwyz setzte am 3. Januar 1700 selber den Wortlaut fest. Für die gehabte Mühewaltung verlangte Schwyz vom Stifte 120 Taler. Die Stimmung war in Schwyz trotz dieser Vereinbarung eine gereizte. Denn schon im Laufe des Jahres 1699 hatten sich neue Anstände ergeben. Mehrfach hatten nämlich Händler aus Schwyz versucht, in Einsiedeln ihre Waren, vor allem Wachs feilzuhalten, wogegen das Stift Einsprache erhob, da es gegen seine Rechte war. Als dies nichts fruchtete, nahm man den Händlern ihre Waren weg; dies besorgten teils der Krämervogt des Stiftes, Karl Willi, teils ein Laienbruder. Schwyz ließ aber diese Konfiskation nicht hingehen und verurteilte am 11. Januar 1700 den Krämervogt - da es den Laienbruder nicht fassen durfte - zum Schadenersatz. Der Abt setzte sich aber für seinen Untergebenen ein. Doch wollte Schwyz von einem Nachgeben nichts wissen. Man wandte sich darum an den Nuntius und hielt am 20. Januar wieder eine eigene Andacht in der Kirche ab, um einen guten Ausgang der Sache zu erflehen. Am 29. Januar verordnete der Abt, daß inskünftig am Abend nach der Komplet die lauretanische Litanei gebetet werden solle. Die Dinge schienen aber eher schlimmer zu werden. Am 1. Februar kamen zwei Schwyzer und fesselten den Krämervogt in seinem Hause und verlangten von ihm und seinen Angehörigen die Bezahlung des abgefaßten Wachses; sie wußten wohl, daß ihm der Schaden durch das Stift wieder vergütet würde. Endlich kam, nachdem Schwyz 1700 gegen das Kloster entschieden hatte und der Handel 1707 neu aufgelebt war, im Juni 1710 eine Einigung zustande. Das Kloster verpflichtete sich, den Landleuten von Schwyz das Wachs abzukaufen.
Schwyz hatte auch die Hand im Spiele als man versuchte 1713 in Bellenz, wo der Abt 1701, 1704 und wieder 1711 visitiert hatte, die Jesuiten zurückzuberufen. Ein solcher Versuch, dem die Jesuiten selber nicht fern standen, war schon 1693 gemacht worden.
Auch mit den Einsiedlern setzte es 1702 wegen des Friedhofes erneut einen Streit ab. Man konnte es immer noch nicht verwinden, daß der Friedhof von der Kirche weg verlegt worden war und so forderte man dessen Rückverlegung. Das Kapitel war nicht abgeneigt, nachzugeben, unter der Bedingung, daß die Atzungsservitut auf dem Brüel abgelöst werde, damit man ungehindert dort bauen könne. Übrigens waren die Einsiedler noch ungehalten darüber, daß Abt Raphael 1694, den 23. August, den Taufstein aus der Klosterkirche entfernen und in die von Abt Augustin erbaute Kapelle vor dem Kloster hatte verlegen lassen, in die Abt Maurus 1699 den St. Meinradsaltar machen ließ. Abt Raphael hatte damit gewissen Ansprüchen, die die Einsiedler auf die Klosterkirche, als wäre sie ihre Pfarrkirche, erhoben, begegnen wollen. Sowohl der Friedhof als auch der Taufstein blieben am alten Orte.
Die Haupttätigkeit des Abtes nahm aber die Frage des Klosterneubaues in Anspruch. Davon war seit Abt Plazidus immer wieder die Rede gewesen. Abt Augustin hatte auch mit dem Bau des Chores und der Beichtkirche einen Anfang gemacht. Der schlechte Zustand der alten Gebäulichkeiten einerseits, die immer wachsende Zahl der Klostermitglieder anderseits machten einen Neubau des Stiftes immer notwendiger. Dazu kam, daß um diese Zeit fast in allen Klöstern eine mehr oder weniger rege Bautätigkeit sich geltend machte und zu ähnlichen Leistungen anspornte. Dem stund freilich die große Schuldenlast entgegen. Der Verkauf von Ittendorf hatte sie wohl etwas verringern geholfen. Schulden in Zürich suchte der Abt durch Aufnahme von Geld in Pfäfers, das durch Abt Bonifaz auch finanziell sehr emporgekommen war, zu tilgen. Durch weise Sparsamkeit hoffte indessen der Abt, doch auch für einen Neubau Geld flüssig machen zu können. Vor allem suchte man die große Monstranz, deren Wert man im Stift auf 100,000 Taler ansetzte, zu veräußern. Man ließ eigens den Hofjuwelier Ludwig XIV., Goudin, aus Paris kommen, um die Monstranz zu schätzen, war aber mit seiner Schätzung, die sich auf 50,000 französische Franken belief, nicht zufrieden. Immerhin hoffte man, das Kleinod durch die Vermittlung Goudins an den französischen Hof veräußern zu können, sah sich aber in der Folge darin getäuscht. Am 16. Februar 1701 hielt der Abt mit den Ältesten und Offizialen Rat über einen Neubau; den 8. Februar 1702 wurde das Kapitel in dieser Angelegenheit einberufen. Das Kapitel war mit dem Abte einverstanden, wenn auch die finanzielle Lage nicht glänzend war. Man fing darum im Herbst 1702 an, auf dem Etzel Steine zu brechen; ebenso wurde ein neuer Ziegler eingestellt, der die nötigen Bausteine brennen sollte. Br. Kaspar Mosbrugger wurde beauftragt, einen Riß und ein Modell des Neubaues anzufertigen. Mit dessen Bruder, Johann Mosbrugger, schloß man am 20. Februar 1704 einen Vertrag über die Ausführung des Baues. Der Abt teilte am 25. März den katholischen Orten mit, daß er beabsichtige, einen Neubau aufzuführen. Er selbst tat am 31. März, morgens 5 Uhr, die ersten drei Spatenstiche zum Aushub des Fundamentes. Man begann mit dem Bau bei der Küche und dem Refektorium, welcher Teil (mit dem großen Saal) 1706 unter Dach kam, daran schloß sich 1705 die östliche Fortsetzung, der eigentliche Konventflügel, der 1707 unter Dach kam. 1707 begann man sodann die westliche Fortsetzung dieses Traktes, der ursprünglich um die Länge des Eckpavillons, in dem die Abtei liegt, weiter vorgeführt werden sollte. Wegen Terrainschwierigkeiten mußte man aber diesen Flügel zurückverlegen. Mit 1709 begann man den östlichen Flügel, der 1710 unter Dach gebracht wurde. Mit der Fortsetzung des nördlichen Flügels kam man seit 1710 nur bis zur Bibliothek hin, als der zweite Toggenburgerkrieg ausbrach und damit für einstweilen jede Bautätigkeit unterbunden wurde. Erst 1713 konnte man wieder fortfahren und zwar setzte man zuerst den südwestlichen Eckflügel zurück und baute dann den westlichen Querflügel gegen die Kirche hin. Im Todesjahre des Abtes wurde noch das Stiegenhaus am Hofe ausgebaut und im Norden der Flügel bis zum dortigen Stiegenhaus (also der Bibliothekbau) aufgeführt. So stund bereits ein schöner Teil des gewaltigen Baues, als Abt Maurus 1714 starb. Der leitende Baumeister, Johann Mosbrugger, war schon am 11. Juni 1710 gestorben und an seine Stelle trat Michael Rueff, der Vogt der Kinder Mosbruggers. Für den südlichen Flügel erhielt der Baumeister 13,500 fl., für den östlichen 11,000 und für den nördlichen 14,000 fl. Dazu kamen natürlich noch große Auslagen für Steinhauer, Ziegler, Schreiner, Schlosser u. a. Seit 1707 finden wir verschiedene Stukkatoren angestellt. Ein Marsiglio Roncati aus Lavis schmückte den Großen Saal aus, Giovan B. Neuroni die Gänge und andere Räume (Brüderstube, ehemals Philosophenzimmer geheißen, weil dort in der Philosophie unterrichtet wurde, worauf heute noch Stukkaturen und Fresko hinweisen). Seit 1708 erscheinen auch die Maler. Johann Brandenberg aus Zug malte den Großen Saal, Michael Vogelsang und Johannes Strickler das Refektorium.
Daneben ließ der Abt auch in der Kirche Reparaturen und Neuanschaffungen vornehmen. Das 1608 zum letzten Mal renovierte Türmchen über der Gnadenkapelle, das ein Sturm an Neujahr 1699 schwer beschädigt hatte, mußte repariert werden. In der Gnadenkapelle wurde 1704 ein Marmorboden gelegt. Im Chor ließ der Abt durch Bruder Kaspar Mosbrugger und Br. Thomas Meyer, der ein tüchtiger Holzschnitzler war, das Presbyterium neu erstellen, das Br. Fridolin Domeisen aus Mariastein vergoldete. Für die Engelweihe wurde der geschmackvolle violette Ornat angeschafft, der heute noch gebraucht wird. - Unter großen Kosten ließ Abt Maurus durch Br. Kaspar auch an der Teufelsbrücke Reparaturen vornehmen.
Unter den hohen Wallfahrern, die die Gnadenstätte zur Zeit dieses Abtes besuchten, ist neben dem fürstlichen Paar von Hohenzollern-Sigmaringen, das 1701, den 3. Juni, herkam, vor allem die Schwiegermutter Kaiser Leopold I., Wilhelmine Amalie von Pfalz-Neuburg zu nennen, die am 10. Juni 1701 mit großem Gefolge, das 40 Pferde mitführte, kam. Der Abt ließ die hohe Frau mit allen ihrem Stande gebührenden Rücksichten empfangen. Die Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden kam in den Jahren 1703, 1708, 1710, 1714 und später noch zwei Mal, 1722 und 1731, nach Einsiedeln. Sie fühlte sich der Gnadenstätte in besonderer Weise verpflichtet, da ihr Sohn Ludwig Georg Simpert, der bis zum siebenten Altersjahr stumm gewesen war, im Juli 1708 im Anblick der Gnadenstätte plötzlich die Sprache erhalten hatte. Schon seine Geburt wurde als eine besondere Gnade U. L. Frau von Einsiedeln betrachtet. Dem markgräflichen Haus verliehen Abt und Konvent den 11. Juni 1710 die Communicatio bonorum operum. Die gleiche Gunst hatte man 1701 dem Reichsstift Salem gewährt, dessen Prälat Stefan Jung den 17. September 1700 nach Einsiedeln gekommen war. Kurz zuvor hatte den 16. Juli 1700 der verstorbene Kanonikus und Kapellmeister Karl Donat Cassoni, der dem Stifte all seine musikalischen Kompositionen vermacht hatte, ebenfalls diese Gnade erlangt.
Der Konvent war unter Abt Maurus eher etwas zurück gegangen. Zählte man bei der Resignation seines Vorgängers 62 Priester, 9 Kleriker, 2 Novizen und 14 Laienbrüder, insgesamt 87 Mitglieder, so führt ein Katalog von 1717 nur mehr 56 Priester, 9 Kleriker, 3 Novizen, 12 Laienbrüder und 3 Novizen, also insgesamt 83 Mitglieder auf. Für den Chor wurden 1699 neue Breviere gedruckt. Wir erfahren auch, daß im Konvent 1699 in der Fastenzeit der Brauch der Geißelung, der offenbar schon früher in Übung gewesen, wieder aufgenommen wurde; doch war dies eine freiwillige Übung. In der Fastenzeit 1699 führte man die sogen. Casuskonferenzen ein, die in der Fastenzeit je Mittwochs und Freitags gehalten wurden, wobei Fälle aus der Moral für den Beichtstuhl behandelt wurden.
In der Schweizerischen Benediktinerkongregation, die am 11. Oktober 1702 mit großer Feierlichkeit ihr hundertjähriges Bestehen im Kloster St. Gallen beging, versah Abt Maurus von 1705-09 den Posten eines ersten, sonst den eines zweiten Visitators. Die Kongregationsklöster sahen um die Jahrhundertwende ihre besten und schönsten Tage. Durchwegs herrschte in allen Klöstern ein sehr guter Geist. Nur zu bald sollten die Vorgänge im Gebiete der Fürstabtei St. Gallen einen Umschwung der Dinge herbeiführen. In Pfäfers starb 1706, den 19. November, der aus Einsiedeln stammende Abt Bonifaz Tschupp, der sein Kloster in jeder Hinsicht empor gebracht hatte. Im folgenden Jahre verschied den 4. Januar auf Freudenfels der Abt-Resignat Raphael Gottrau.
Gleich seinen Vorgängern wandte der Abt auch den unterstellten Frauenklöstern seine besondere Aufmerksamkeit zu. In der Au konnten die Frauen 1699, den 29. November, einen eigenen weltlichen Kaplan anstellen, so daß sie fürderhin die tägliche hl. Messe im Hause hatten. An Allerheiligen 1703 gab ihnen der Abt neue Statuten und verfügte, daß sie inskünftig den vollständigen Benediktinerhabit tragen sollten. Im Kloster Fahr ließ Abt Maurus durch Br. Kaspar Mosbrugger bald nach 1700 einen neuen Konventbau aufführen, der 1704 vollendet war. Der Bau, ein Viereck, ist sehr einfach gehalten und genügt heute noch den Anforderungen. Die Kirche sollte auch dort erst später gebaut werden. In Seedorf behielt der Abt auf dringliches Bitten des Nuntius die Visitation bei; die Herren von Altdorf mußten freilich die Zusicherung geben, daß sie sich nicht weiter in die Angelegenheiten des Klosters einmischen wollten. Den 9. Februar 1708 nahm der Abt feierlich die Einführung der Herz-Jesu-Bruderschaft in Seedorf vor. Hier sollte ihn auch, als er am 29. August 1714 zur Visitation dort weilte, plötzlich der Tod überraschen. In einer Sänfte brachte man den entseelten Leichnam nach Hause, wo die Bestürzung groß war. Vor allem betrauerten die Armen in Abt Maurus einen großen Wohltäter.
«Corporis habitu erat humilior minusque spectabilis; sed oris majestate gratissima, sermonisque comitate, quae animi egregie compositi haud obscurum indicium facerent. Neque nostra dumtaxat sed exteriorum etiam praedicatione celebrata est, quae in hoc Praesule enituit virtutum complexio. Ejus praeconium apparatu verborum perquam facundo fecit editor Polyantheae, R. P. Spanneri, in operis dedicatione.
Mortuus tantum sui desiderium apud Eremitanos nostros, praesertim populares, reliquum fecit, quantum decessores alii paucissimi. Egentissimos enim subditorum quosque, ac pauperum verecundiores, largitione occulta identidem juvabat; id quod postea intellectum est, cum illius mortem complorantes, Patrisque beneficentissimi desiderium vix ferentes, ejus in se charitatem ita commendare sunt auditi, ac si illorum cujusque spiritus, quem ducerent, ex benefactoris tanti vita adhuc pependisset1009
Leonz Düggelin aus Lachen mußte am 13. März 1702 ein Bild des Abtes für das Kongregationsjubiläum in St. Gallen anfertigen. Man ließ zwei Porträts machen, wovon eines in Einsiedeln blieb. Das Bild von Düggelin findet sich wiedergegeben auf einem Thesenblatt für eine Disputation vom 28. Oktober 1714, das Georg Kilian in Augsburg stach (in den Stiftssammlungen). Ein weiteres Ölgemälde (im Stiftsarchiv) zeigt den toten Abt. Ein von der Mutter des Abtes zur Benediktionsfeier geschenkter Kelch befindet sich heute in der Abtskapelle; ein Meßgewand in der Paramentensakristei. Sein Wappen findet sich heute noch an der Außenseite des Fürstensaales, über der sogen. Marienpforte und an der Nordseite des Stiftes beim Standbild des hl. Josef. Sie legen Zeugnis ab von der Umsicht und Tatkraft dieses Mannes. Von seiner Gewandtheit als Prediger, denn auch als Abt liebte er es, als solcher aufzutreten, zeugen seine hinterlassenen Schriften.

Letzte Aktualisierung: 22.01.2013 – Impressum
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