Professbuch: Äbte

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39. Augustin I. Hofmann v. Baden
Augustin I. Hofmann v. Baden (1600-29). Augustin Hofmann wurde 1555 in Einsiedeln geboren. Der Vater des Abtes war Magister Andreas Hofmann, der in Baden eine Schule errichtet hatte, der er 14 Jahre lang vorstand. Dann kam er nach Einsiedeln, wo er die Leitung der kleinen Klosterschule übernahm. Hier verheiratete er sich mit Anna Ochsner, die ihm vier Kinder schenkte, die sämtliche ins Kloster gingen. Augustin, 1555 geboren, trat schon mit 16 Jahren in Einsiedeln ein. Seine drei Schwestern aber, Justitia, Veritas und Pax geheißen, traten in das Klarissenkloster Paradies bei Schaffhausen ein; infolge von innern Wirren mußte Justitia später (ca. 1590) von Paradies fort. Ihr Bruder sorgte, daß sie in der Au bei Einsiedeln eine Unterkunft fand, wo sie Benediktinerin und schon bald darauf, um 1600, zur Frau Mutter erwählt wurde. Der Vater selber trat nach dem Tode der Mutter gleichfalls in den geistlichen Stand. Er wurde Priester und um 1577 Stadtpfarrer von Baden und später Dekan des Kapitels Zürich-Rapperswil. Er starb aber schon den 17. Juni 1579, hochgeehrt undalsheiligmäßiger Mann geschätzt967. Den 29. Juni 1572 legte P. Augustin Profeß ab. Subdiakon 17. Dezember 1575. Diakon 17. März 1576. Priester 4. April 1579. Primiz 26. April 1579.
Als guter Musiker wurde er Stiftsorganist. 1578 weilte er beim kranken Abt Adam in Pfäffikon. Schon mit 28 Jahren berief ihn Dekan Wittwiler zum Subprior des Stiftes und ein Jahr später zu dessen Dekan. Dieses Amt bekleidete er während 15 Jahren. Als Dekan war er Seelenführer der Elisabeth von Laufenburg, die 1597 dem Stifte 1000 Gulden, dem Dekan aber 500 Gulden und eine goldene Kette für einen Kelch gab. Nach dem Tode Abt Ulrichs wählte ihn das Kapitel am 15. Oktober 1600 zum Abte968. Papst Clemens VIII. bestätigte die Wahl den 15. Februar 1601969. Die Benediktion nahm Nuntius della Torre am 1. April 1601 unter Assistenz der Äbte von Muri und Fischingen vor970. Vor der Wahl wurden in 14 Punkten die Grundsätze für die Durchführung einer Reform aufgestellt, die von allen beschworen wurde. So kam der Wille zu einer gründlichen Reform schon hier deutlich zum Ausdruck. Auch die Ernennung des heiligmäßigen P. Joachim von Beroldingen zum Dekan war ein weiterer Schritt in dieser Richtung. Schon 1602 wurde das Reformwerk durch die Gründung der Schweizerischen B enediktinerkongregation gekrönt. Auf Betreiben des päpstlichen Nuntius della Torre fanden sich am 29. Mai 1602 in Einsiedeln die Äbte von St. Gallen, Einsiedeln, Muri und Fischingen zusammen zu einer ersten Besprechung, der noch im gleichen Jahre weitere Besprechungen in Wil (12. Juli) und im Schloß Pfäffikon (4. November) folgten. In Pfäffikon fand sich auch der Abt von Pfäfers ein, dessen Kloster ebenfalls der neugegründeten Kongregation beitrat. In 11 Artikeln wurden hier die Grundlagen für die spätern Kongregationsstatuten geschaffen. Schon 1603 trat Rheinau, 1604 Engelberg und 1617 auch Disentis bei; der Beitritt von Beinwil-Mariastein verzögerte sich noch bis 1647. Clemens VIII. ermutigte die Äbte schon am 10. Aug. 1602 in ihren Vorgehen; Gregor XV. eximierte den 20. Mai 1622 die Kongregation von der Gewalt der Bischöfe, desgleichen sein Nachfolger Urban VIII. den 30. März 1624. Der nämliche Papst verlieh ihr auch den 19. September 1626 die Privilegien der Mendikanten971.
Die Früchte dieses engern Zusammenschlusses machten sich in den einzelnen Klöster, nicht zuletzt aber im Stifte Einsiedeln selber bald bemerkbar. In den Jahren 1606 und 1607 wurden zum erstenmal durch die Äbte von St.Gallen u. Muri, die zu Visitatoren bestellt worden waren, die kanonischen Visitationen gehalten, die für die Hebung und Förderung der Regelzucht von großer Bedeutung waren. Das Peculium (Sondereigentum) wurde abgeschafft, die Klausur strenge gehandhabt. Eine Reihe von Klerikern kam zur weitern Ausbildung nach den Hochschulen von Dillingen, München, Salzburg, Rom und Paris, wo der König dem Stifte einen Freiplatz einräumte. Eine Folge davon war, daß man schon hald im Stifte selber die höhern Studien einrichten konnte; seit 1620 wurde hier durch eigene Mitglieder Philosophie doziert. Unter den wissenschaftlichen Erzeugnissen der Klostermitglieder steht das Werk des P. Christoph Hartmann, die Annales Eremi, obenan972. Wie schon unter Abt Ulrich, so betätigten sich Stiftsmitglieder auch jetzt noch im Kloster Beinwil, an dessen Wiederaufblühen sie einen großen Anteil haben. Nachdem P. Wolfgang Spieß den 15. April 1614 dort gestorben war, folgte ihm von 1614-21 P. Gregor Zehnder und von 1621-22 P. Maurus Hofmann973.
Umso merkwürdiger erscheint es, daß 1615 die Jesuiten versuchten, in Einsiedeln sich festzusetzten, unter dem Vorwand, daß für die Wallfahrt hier nicht genügend gesorgt werde. Anläßlich der großen Engelweihfeier von 1614 hatten zwei hier mitgeholfen, beichtzuhören. Sie sahen offenbar, daß bei dem außergewöhnlichen Andrang die Zahl der Religiosen nicht genügte; tatsächlich hat man damals schon und das ganze 17. und 18. Jahrhundert hindurch auf diese Anlässe immer eine große Anzahl auswärtiger Ordensleute kommen lassen, um im Beichtstuhl auszuhelfen. Die Jesuiten schlugen darum in Rom vor, daß vorläufig ihrer sechs auf Kosten des Stiftes in Einsiedeln untergebracht und erhalten würden. Durch den Kapuziner P. Alexius von Speier erfuhr man wahrscheinlich von diesem Projekte und suchte sich dieser unerbetenen Gäste zu erwehren. Ein anderer Kapuziner, P. Angelus Visconti von Mailand, der damals zum Generalkapitel des Ordens reiste, übernahm es, die Sache des Klosters in Rom zu vertreten, wo Einsiedeln überdies in Kardinal Verallo einen vielvermögenden Fürsprecher besaß. Wie dieser am 12. März 1616 berichtete, gab der Papst, über die Lage der Dinge durch ihn unterrichtet, dem Nuntius Befehl, daß die ganze Angelegenheit fallen gelassen würde974.
Mit den Kapuzinern verband den Abt eine besondere Freundschaft. Schon 1602 hatte er den Grundstein zu ihrem Kloster in Rapperswil gelegt. Zum Zeichen besondern Dankes für die in der eben erwähnten Angelegenheit geleisteten Dienste gab er den Kapuzinern von Schwyz das Recht, alljährlich an der großen Jahrzeit die Kerzen, welche die Gäste beim Libera brauchten, mit sich nehmen zu dürfen. Der General der Kapuziner verlieh den 3. Juni 1621 Abt und Konvent die Communicatio bonorum operum.
Wie im eigenen Kloster, so sorgte Abt Augustin auch in dem nahe gelegenen Kloster Au für die Durchführung einer gründlichen Reform. Am 11. September 1601 konnte der Abt das neue Klosterkirchlein, dessen Bau unter seinem Vorgänger schon vollendet worden war, einweihen. Eine der größten Wohltäterinnen dieses Kirchenbaues war die Witwe Margareta vom Stain aus Jettingen (bayr. Bezirk Schwaben), durch die auch die Reliquien der Unschuldigen Kinder in die Au kamen. Seit 1600 war die Schwester des Abtes, Justitia Hofmann (s. o.) Frau Mutter, eine sehr tüchtige Frau. Sie begann 1619 mit Hilfe ihres Bruders den Bau eines neuen Klosters, vor dessen Vollendung sie aber im Januar 1628 ihr Amt niederlegte und den 23. Juli desselben Jahres starb. Schon bevor man aber an den Neubau schritt, ließ der Abt durch seinen Dekan Joachim von Beroldingen und P. Moritz Kraus 1617 eine gründliche Visitation abhalten. Im Anschluß daran gab er den Schwestern sodann neue Statuten, die im wesentlichen bis heute in Geltung geblieben sind975.
Naturgemäß erfreute sich auch das Kloster Fahr der besondern Aufmerksamkeit des Abtes. Auch hier gab der Abt schon 1602 die ersten, noch vorhandenen Statuten, denen 1614 neue, ausführlichere folgten, die für die Folgezeit grundlegend waren. Nuntius della Torre nahm den 21. Juli 1602 eine Visitation vor, durch die das Verhältnis des Klosters zum Stifte Einsiedeln, das der Frauen zum Propste, und die Klausur geregelt wurden. Ein Versuch der Frauen (1601) sich unabhängiger zu machen, indem sie um die Aufhebung des Postens eines Propstes baten, fand beim Abte kein Gehör. Auch den Schwestern in Wil und in Baden half der Abt in ihrer bedrängten Lage. Den Frauenklöstern in Rathausen und Eschenbach verliehen Abt und Konvent 1603 die Communicatio bonorum operum.
Nächst der Hebung der Ordenszucht war es vor allem die Wallfahrt, deren Förderung dem Abte am Herzen lag. Er ließ schon bald nach seinem Regierungsantritt die Vorderseite der Gnadenkapelle mit Schnitzereien und Gemälden verzieren. Im Jahre 1617 anerbot sich der Erzbischof von Salzburg, Mark Sittich von Altems, die Kapelle mit Marmor bekleiden zu lassen. Vorerst kam nur die Stirnseite zur Ausführung. Seit 1624 lassen sich auch auswärts Nachbildungen der Gnadenkapelle verfolgen. An die Vollendung des sogen. Fürstenbergischen Altars gab der Sohn des Stifters, Friedrich, 50 Taler. Graf Christoph von Fürstenberg wurde seinem Wunsche gemäß im Januar 1614 in Einsiedeln hei der Gnadenkapelle begraben. Durch Johannes Kaspar von Stadion, den spätern Hochmeister des deutschen Ordens, erhielt man 1614 einen prächtigen goldenen Kelch geschenkt. Herzog Ferdinand von Bayern verehrte im Jahre 1600 den Tabernakel aus Ebenholz, der heute noch den Altar im obern Chor ziert. Durch einen Goldschmied aus Münster und Wolfgang Rogenmoser aus Zug, ließ der Abt 1621 den ganzen Kirchenschatz reinigen und reparieren. - An außerordentlichen Bittgängen sind zu nennen der der Urner, den 19. Mai 1608, derer von Hagenau den 20. Mai 1608, sowie der von Augsburg, den 10. August 1613976.
Für die St. Meinradsbruderschaft erwarb der Abt 1605 von Paul V. reiche Ablässe. Im Jahre 1620 wurde die St. Michael- u. Mauritiusbruderschaft oder die der Meister und Gesellen eingeführt, 1625 die St. Georgs- oder Marstallerbruderschaft gegründet, welche die Marstaller der verschiedenen Schweizerklöster umschloß. Ganz besonders wurde unter ihm die Klosterkirche mit vielen Reliquien bereichert. Elias Heymann, ehemals Rektor der Universität in Trier, der schon unter Abt Ulrich viele Reliquien nach Einsiedeln gebracht hatte, begann seine Sammeltätigkeit aufs neue. Die von ihm gesammelten hl. Überreste wurden anläßlich der Engelweihfeier des Jahres 1603, zu der über 100 000 Menschen herbeiströmten, in feierlicher Weise in die Kirche überführt. Auf diese Engelweihe wurden neue Krämer-, Wirte- und Bäckerordnungen erlassen, die noch vorhanden sind. Ähnlich wie Abt Ulrich ließ auch Abt Augustin silberneReliquienbehälter anschaffen. Aus Nürnberg kamen große, gegossene Kirchenleuchter. Durch den Schulmeister Leonhard Zingg wurde 1620 ein eigenes, prächtig geschriebenes Buch angelegt, in dem alle Authentiken kopiert waren. Die Reliquien der ersten Äbte, die man 1617 bei den Bauten an der Gnadenkapelle auffand, wurden fortan in der Sakristei aufbewahrt977. Abt Augustin war auch ein besonderer Verehrer des sel. Bruder Klaus. Er stiftete für die Kirche in Sachseln und die Kapelle im Ranft fünf hl. Messen mit der Bedingung, daß diese, sobald Bruder Klaus selig gesprochen würde, von seinem Feste zu lesen wären. Desgleichen stiftete er an der St. Karlskapelle auf dem Flüeli je eine wöchentliche und eine monatliche hl. Messe auf ewige Zeiten978.
Um das religiöse Leben in der Pfarrei Einsiedeln war der Abt sehr bekümmert. Insbesondere zur Zeit der Pest, 1611, sorgte er in vorbildlicher Weise für das geistige und leibliche Wohl seiner Untergebenen. Er ließ besondere Gebete anordnen, sorgte vorab für den religiösen Beistand bei den Kranken, gab aber auch Weisungen, wie man der Seuche begegnen könne. Für die Pfarrei erließ er in Verbindung mit dem Rate 1618 ein besonderes Christenlehrmandat. - In Schnifis erhielt man 1605 durch den Grafen von Hohenems die zweite Hälfte des Kirchenpatronats geschenkt, so daß man nun das ganze in den Händen hatte.
Ähnlich wie seine Vorgänger nahm auch Abt Augustin die Weihe mehrerer Kirchen resp. Kapellen vor. So weihte er 1606, den 13. Mai, die St. Magdalenakapelle im Ochsenboden bei Studen, 1618, den 5. August, die 1611 zur Zeit der Pest gestiftete St. Sebastianskapelle in Bennau. Mit Erlaubnis des Bischofs weihte er 1610 die Glocken der Pfarrkirche in Sattel; Konstanz hatte schon 1605 erlaubt, daß der Abt im Gebiete von Schwyz Glocken und geistliche Kleider weihen dürfe. Nuntius della Torre weihte 1602, den 10. August, die Kapelle in Hürden.
Als weltlicher Fürst hatte Abt Augustin den 8. Oktober 1601 von Kaiser Rudolf II. die Regalien empfangen979. Derselbe Herrscher bestätigte ihm 1608, den 15. April, die Rechte und Freiheiten des Stiftes980. Sein Nachfolger, Mathias, verlieh 1614, den 23. Oktober die Regalien981, desgleichen Ferdinand II. 1621, den 8. März982. Mehrfach wurde der Abt zu den Reichstagen geladen, die er natürlich nicht besuchte. Schon bald nach seiner Wahl nahm der Abt im Laufe des Jahres 1601 in den Stiftsgebieten die Huldigung der Untertanen entgegen; in St. Gerold blieb Abt Adam bis zu seinem Tode Oberherr; erst 1614 nahm Abt Augustin auch dort die Huldigung entgegen.
Das Verhältnis zu den Herren in Schwyz war unter Abt Augustin ein gutes. Schon 1609 hatte er den Schirmherren ein Geldanleihen machen können. Im Jahre 1610 ergab sich zwar ein Anstand, da eine Landesgemeinde beschlossen hatte, daß, wenn ein Schwyzer Landsmann sich in Einsiedeln niederlasse, er daselbst wie ein Waldmann Genosse sein solle. Dagegen wehrte sich der Abt und erreichte, daß der Beschluß rückgängig gemacht wurde. Im gleichen Jahre setzten sich die Schwyzer übrigens anläßlich des sogen. Gachnangerhandels kräftig für die katholische Sache im Thurgau ein, woran das Stift naturgemäß (obwohl es damals in Gachnang selber noch nichts zu tun hatte) ein großes Interesse hatte. Zum Danke für die geleisteten Dienste schenkte der Abt den Schwyzern eine wertvolle Kirchenfahne. Mehrfach half Schwyz in Streitsachen vermitteln, so 1608 in einem Grenzstreit zwischen der March und Einsiedeln, 1613 in einem Streit um das Fallrecht in Stäfa, das 1619 endlich ausgelöst wurde und 1623 in einem Zwist um den Ehrschatz in Wollerau, der ebenfalls ausgekauft wurde. Die Fischereirechte des Stiftes in einzelnen Bächen gaben Anlaß zu Anständen mit Wollerau (1623) und mit Schwyz selber (1628). Statthalter Martin Betschart von Schwyz schenkte 162S dem Stifte ein Fischereirecht in der Sihlalp. Als 1619 erneut Religionsstreitigkeiten in der Eidgenossenschaft auszubrechen drohten, ließ der Abt auf Bitten der Schwyzer besondere Gebete in der Gnadenkapelle verrichten. Als 1620 in der Bündt große Unruhen ausbrachen, die eine eidgenössische Verwicklung befürchten ließen, flüchtete der Abt den Kirchenschatz nach Schwyz. - Mit Zug setzte es 1621 wegen den Gotteshausleuten in diesen Gebieten Anstände ab. Der Kirche in Menzingen schenkte der Abt 1626 zum Neubau 200 Gulden.
Langwierig waren die Streitigkeiten, die 1616 zwischen Einsiedeln und dem Stifte Weingarten anhoben. Weingarten hatte 1614 die Herrschaft Blumenegg erworben, die jene von St. Gerold umschloß. Damit ging auch die Vogtei über St. Gerold an das schwäbische Stift über. Schon zwischen Abt Ulrich und dem frühern Herrn, dem Grafen von Sulz hatten Meinungsverschiedenheiten bestanden, die sich nun fortsetzten. Kaiser Ferdinand II. ernannte den Bischof Heinrich von Augsburg, die Äbte Eucharius von Kempten und Bernhard von St. Gallen, sowie den Grafen Hugo von Montfort zu Richtern; sie sollten versuchen die Sache gütlich beizulegen oder dann sie richterlich entscheiden. Einsiedeln legte den Hofrottel den Universitäten von Ingolstadt, Freiburg i. Br., Dillingen und Salzburg zur Begutachtung vor. P. Christoph Hartmann und P. Benedikt Ammann vertraten das Stift. Doch kam die Angelegenheit zu keinem Abschluß; erst 1648 wurde sie erledigt, indem Einsiedeln von Weingarten die Landeshoheit käuflich erwarb983. Ein Streit wegen der Alp Frutz mit Rankweil war Herzog Leopold als Schiedsrichter anvertraut worden, der die Entscheidung hinwiederum dem Grafen Kaspar von Hohenems überließ. Dieser entschied zu Gunsten der Propstei984.
Von großer Bedeutung war die 1623 erfolgte Erwerbung der Herrschaften Gachnang und Freudenfels im Thurgau. Freudenfels, bei Eschenz gelegen, gehörte der Familie von Payer, die den Besitz um 20,500 fl. dem Abte abtrat. Gachnang war im Besitze der Familie von Beroldingen, von der es um 39,207 Gl. an Einsiedeln überging. Beide Erwerbungen machte der Abt hauptsächlich deshalb, um dem katholischen Glauben im Thurgau den Boden zu erhalten. Kleinere Gütererwerbungen nahm der Abt in den Höfen vor. Für die Statthalter in Einsiedeln und Pfäffikon erließ er schon am 18. Januar 1601 neue Verordnungen.
Besonders rege war die Bautätigkeit dieses Abtes. In Einsiedeln errichtete er 1602 ein eigenes Bibliothekgebäude. Die Kirche, besonders deren Chor, ließ er durch den Maler Hans Heinrich Geßner u. a. ausmalen985. In der Kirche wurden zwei neue Orgeln erstellt. Das Türmlein der Gnadenkapelle, das 1607 ein Sturm heruntergeworfen hatte, wurde wieder aufgerichtet. Von 1610 auf 1611 ließ er die Klausurmauer gegen den Brüel mit einem schönen Portal erstellen. Die Teufelsbrücke wurde 1614 repariert und gleichzeitig das Zeughaus mit fünf Doppelhacken und fünf Mörsern versehen. Unter Abt Augustin wurden auch auf dem Brüel sechs Kapellen gebaut, um deren Zustandekommen sich der Kapuziner P. Seraphim von Altstätten besonders verdient machte. Es waren im ganzen 15 Kapellen zu Ehren der Rosenkranzgeheimnisse geplant, doch kamen nur sechs zur Ausführung. Einer der Hauptwohltäter war Bischof Heinrich V. von Knöringen in Augsburg986. Die Kapellen wurden 1837 entfernt. Auf der Ufnau ließ der Abt den Kirchturm reparieren. In der Au half der Abt seiner Schwester beim Klosterbau nach Kräften mit. In St. Gerold betätigte sich Abt Adam immer noch als Bauherr. Der Bischof von Chur weihte 1605 das sogen. Rosenkränzlein oder Adamskapellchen ein. Abt Augustin unterstützte auch den Kirchenbau in Steinhausen und in Menzingen; den Jesuiten in Konstanz gab er 1608 100 Gulden an ihren neuen Kollegienbau. - Viel tat der Abt auch in Einsiedeln für die Verbauung und Korrektion von Wildwassern.
Abt Augustin erfreute sich eines großen Ansehens. Insbesondere waren ihm die Nuntien Paravicini, della Torre und Verallo sehr gewogen. Letzterer setzte sich auch besonders für die Erhebung des Abtes zum Bischöfe ein (1609). Er sollte als solcher die Urkantone, die durch die Glaubensspaltung in ihrem Verkehr mit Konstanz sehr gehemmt waren, verwalten. Doch Konstanz war gegen eine solche Lösung und wußte mit Hilfe des Metropoliten von Mainz die Sache in Rom zu hintertreiben. Fast dreißig Jahre lang verwaltete er das ihm anvertraute Stift in vorbildlicher Weise, trotzdem er von Kränklichkeit heimgesucht war. Schon 1602 war er im Bade Pfäfers, 1608, 1611 und wiederum 1614 mußte er das Leukerbad aufsuchen. Auch 1616 hören wir, daß seine Gesundheit stark angegriffen war; er konsultierte deshalb Doktor Christoph Gyer in Zürich. 1619 ging er nach Baden. Er erreichte trotzdem ein Alter von 74 Jahren. Am 20. Februar 1629 traf ihn ein Schlaganfall. Man berief einen Arzt aus Zug und später Dr. Crivelli aus Altdorf. Aber alle Mittel helfen nichts mehr. Am 2. März nachmittags starb der Abt. Am 8. März fand die Beisetzung statt durch den Abt von Muri, in Gegenwart des Nuntius.
Mit Recht sagt Symian987 : «Si quem nostros inter Praesules requiras cum Augustino conferri parem dignum, ad Joachimum Eichornium antecessorem, quem est imitatione assecutus, animum revolve; et ad Placidum successorem Augustini, illiusque ejusdem imitatorem egregium, strenuissimumque Sectatorem»988.

Letzte Aktualisierung: 22.01.2013 – Impressum
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