Person Detail

1302
P. Anselm (Jakob) Bisling von Luzern
Geburtsjahr: 1619  |   Todesjahr: 1681


Professbuch:
Band B, Nr. 168
Kapitel: 6. Professen unter Abt Plazidus Reimann 1629-70.
P. Anselm (Jakob) Bisling von Luzern
Professjahr: 1662

Professbuchtext:
P. Anselm (Jakob) Bisling von Luzern. Geboren den 18. November 1619. Er war der Sohn des Melchior Bisling und der Barbara Schwytzer. Er wurde zuerst Weltgeistlicher und studierte in Luzern und Mailand. Priester 19. Dezember 1643.
Schon am 13. Juli 1643 war er Notarius apostolicus geworden und erhielt den 1. Oktober 1643 von den Kapuzinern die Communicatio bonorum operum. Den 8. November 1644 bekam er die Admissio als Pfarrer von Hasle, wo er bis zum 27. Mai 1650 blieb. Dann wurde er Stadtpfarrer in Luzern, wo ihm die Franziskaner in Wertenstein am 27. Mai 1650 die Communicatio bonorum operum verliehen. Er wurde auch 1651 bischöflicher Kommissar in Luzern. In der Schlacht bei Villmergen war er Feldgeistlicher. In den sogen. Zwyer Handel und andere Streitigkeiten verwickelt, wurde er sogar in Konstanz eingesperrt. Sein Bruder, der ebenfalls Priester war, verwandle sich für ihn in Einsiedeln bei Abt Plazidus, daß er ihm die Pfarrei Sarmenstorf übertrage. Aber man wagte es, mit Rücksicht auf die Luzerner, nicht. Im Jahre 1660 wurde er als Leutpriester von Luzern entlassen. Er wandte sich 1661 nach Einsiedeln um Aufnahme ins Kloster, die man ihm, als einem durchaus unbescholtenen Mann, gewährte. Am 8. Dezember 1662 legte er Profeß ab.
Wahrscheinlich wurde P. Anselm bald nach seiner Profeß als Lehrer für die Fratres verwandt. In der Konstanzer Angelegenheit mußte er zweimal für längere Zeit nach Rom; das erste Mal vom 10. Dez. 1670 bis 21. Dez. 1671 und das zweite Mal vom 23. Oktober 1675 bis 11. Juni 1676. Beide Mal brachte er sogen. Katakombenheilige mit nach Hause, 1672 den Leib der hl. Flora, den er von Kardinal Borromeo für die Kirche in Arth erbeten; 1676 die Leiber der hl. Candida, Gregor und Alexander, die in die Stiftskirche kamen, während er den Leib der hl. Victoria in der Residenz zu Bellenz ließ. Vor seiner zweiten Romreise war er kurz vorher, den 30. September 1672, zum Lehrer für kanonisches Recht bestimmt worden. Nach der Heimkehr aber wurde er den 12. November 1676 als Propst nach Bellenz beordert. Von Bellenz kam er den 3. November 1677, um bei den Translationsfeierlichkeiten des hl. Bonifaz in Steinen zu predigen. Im September 1679 kam er wiederum, um am Generalkapitel teilzunehmen. Den 23. Mai 1680 brachte ein Expreß von Bellenz die Botschaft, daß P. Anselm vom Pferde gefallen sei und man deshalb den Chirurgen unverzüglich senden möchte. Aber das half wenig. Am 4. August 1680 kam er, «geführt in einer Bennen von zweyn Pferdten, die selbige an 4 Stangen eben wie eine Senften trugen. Er war an beyden Armben gantz blöd und laam, also dass er so gar Ihme selbst kein Hilf darmit thun könnte und war ihme das Hin- und Heergehen auch zimlich beschwärlich, also das er anderst nit als auf bedeute Manier getragen könnte allhero gebracht werden»164. Da man ihm auch in Einsiedeln nicht gut helfen konnte, sandte man ihn auf gleiche Weise nach Pfäfers ins Bad, von wo er den 12. September ordentlich wieder hergestellt heimkam. «Es wollte aber niemand glauben, dass es lange Stand haben solte in einem alten ausgearbeiteten Herren.» Wirklich mußte ihn der Abt zu besserer Pflege am 25. Oktober nach Pfäffikon senden. Aber auch dort blieb P. Anselm nicht müßig, «sondern immerdar mit Bücher schreiben, predigen und dergleichen Arbeit sich heftig bemühend». Er revidierte das Werklein Mons Thabor, das er Mitte Fasten 1681 in die Druckerei ablieferte. Er beabsichtigte auch, seine Predigten, «deren er keine schlechten iemahlen gethan», in den Druck zu geben165. Den 9. März 1681 berief ihn der Abt zusammen mit P. Plazidus Reding, der in Pfäfers war, nach Einsiedeln wegen theologischen Fragen. Diese Reise griff ihn sehr stark an, doch kehrte er wieder nach Pfäffikon zurück. Von dort kam schon am 6. April Bericht, daß er schwer krank sei. Man sandte sogleich P. Pius mit dem Klosterarzt hin, am Mittag folgten der Abt mit P. Subprior und P. Dionys; aber P. Anselm war schon tot, als diese hinkamen. Andern Tags wurde er um 9 Uhr in der Kirche auf der Ufnau, im Beisein des Abtes begraben. Sein Grab schmückt heute noch folgende Inschrift: «Admodum R.P.Anselmus Bisling SS. Theologiae Doctor, olim Plebanus Lucern et Commissarius, postea Monachus monasterii nostri, ejusdem Promotor Romae, Praepositus Bellinzonae. Obiit pie in Domino VII. Aprilis 1681.
Qui dignos ipsi vitâ scripsere libellos Illorum vitam scribere non opus est.
Scripserat hic plures, sed nil praestantius unquam Quam dum sidereum Thabore pandit iter.
Hoc duce sic doetus didicit contemnere mortem Nam didicere satis, qui didicere mori.»
«Da er noch by besseren Kräften war, hat er auch andere geistliche, sehr nutzliche Tractätlin in die Truckerey verfertigen lassen, worunder eines, das Spate Wolte Gott intiluliert er aus dem Französischen (dann er auch diser, sonderlich aber der Italienischen erfahren gewesen) in die Hochteutsche übersetzt, und in allem vermehret, in offentlichen Truck gegeben. In welchem, wie auch deme Mons Thabor heiter zu erkennen, was diser Herr für ein Ingenium gehabt, und wie wohl er seine Talenta angewendet.»166.

Schriften:
a) Gedruckte:
1. Das Spahte Wolte Gott, Oder Wunsch Eines sterbenden Menschen: Was er nemblich in seinem Sterb-Stündlein wolte bey Lebzeiten Böses gemeydet, und Guts gethan haben. Für Geistlich- und Weltlichen StandsPersohnen ein sehr nutzlich, kurtz, leicht, und gewisses Mittel fromm zu leben, und seelig zu sterben. Auss Frantzösischer Sprach (Pensesy-bien) in die Teutsche übersetzt, gemehrt, und sambt einem Register oder Innhalt in Truck gegeben. Von R. P. Anselmo Bisling, Conventual und Officialen des Fürstl. Gotts-Hauss Einsidlen. Durch Jacob Ammon. Anno 1667. (Der Äbtissin Elisabeth von Münsterlingen gewidmet.) 12 °. 208 S. u. Reg. X 1272. - 2. Auflage 1680. 12 °. 199 S. u. Reg. X 1382. - 3. Auflage 1748. 199 S. u. Reg. X 1273. -
2. Mons Thabor sive Solitudo Exercitiorum Spiritualium, in qua Philotheus et Monophilus, Duce et Comite Theophobo per triplicem viam, Purgativam, Illuminativam et Unitivam - quasi tria Tabernacula Moysis, Eliae et Jesu Christi, Decem Dierum spatio digressus transfiguratur in splendorem vitae perfectioris. Liber Omnibus Religionum Vota, maxime vero S. P. Benedicti Regulam Professis, nec non Sacerdotibus singulariter accomodatus et utilis, Revisus et auctus ab Authore ipso paulo ante mortem, A. R. P. Anselmo Bisling, O. S. B. SS. Theologiae Doctore, Not. Apost. et Exempti Coenobii B. V. Mariae Einsidlensis Professo. Cum facultate Superiorum. Typis Einsidlensibus per Jacobum Ammon. Anno MDCLXIV. 12 °. 547 S. X 1118. Sl 825. - Dasselbe in Würzburg 1671 (laut Katalog von Rosenthal.) 2. Auflage Einsiedeln 1682. 12 °. 530 S. X 851. - Wien, bei Georg Lehmann, 1726. X 14.
3. Bericht über die Villmergerschlacht vom 26. Jänner 1656. Vide «Geschichtsfreund» 1863. Bd. XIX. S. 240-248.
b) Ungedruckte:
1. Praxis compendiosa sive Practicae Resolutiones theologico-morales Theologiam, qua ad mores pertinet, universam coniprehendentes, junioribus confessariis haud sane inutiles. 1668. 8 °. 136 S. Mscr. 1048 (867).
2. Congeries Materiarum pro faciendis allegationibus et responsionibus in causa amovibilitatis Vicariorum in officiis unitis. Conscripta ex Canonistis 1676, z. T. später. Fol. Unpag. Stiftsarchiv Einsiedeln A. NA 4.

Letzte Aktualisierung: 03.10.2018 – Impressum
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