Person Detail

1260
P. Bernhard Waibel aus Konstanz
Geburtsjahr: 1617  |   Todesjahr: 1699


Professbuch:
Band B, Nr. 126
Kapitel: 6. Professen unter Abt Plazidus Reimann 1629-70.
P. Bernhard Waibel aus Konstanz
Professjahr: 1638

Professbuchtext:
P. Bernhard Waibel aus Konstanz. Geboren den 7. April 1617. Er studierte jedenfalls vor seinem Eintritt in Einsiedeln schon Theologie, denn nachdem er am 6. Januar 1638 seine Profeß abgelegt, wurde er am 19. März 1639 Subdiakon und am 17. Dezember desselben Jahres Diakon. Priester 1641. Mit drei Fratres (s. o. Fr. Aegidius) wurde er den 7. Juli 1641 nach Lyon geschickt, wo er vorab Theologie studieren sollte. Er war vom Abt als Oberer über die kleine Gesellschaft bestimmt. Nach dem Tode der beiden schon genannten Mitbrüder verblieb er mit Fr. Adelrich weiter in Lyon. Im Herbst 1643 machten die beiden eine Reise nach Cluny, Citeaux und Paris. Im folgenden Jahre entrannen sie mit knapper Not dem Tode, als das Konvikt vollständig niederbrannte. Sie verließen mit guten Zeugnissen versehen Lyon Ende August 1644 und kehrten heim. Daheim fand P. Bernhard jedenfalls zunächst in der Seelsorge Verwendung. Den 24. April 1469 wurde er zugleich mit den PP. Kolumban Ochsner und Konrad Hunger zum Apostolischen Notar bestellt; ihm oblag die Aufgabe, die sich ereignenden Wunder aufzuzeichnen. Gleichzeitig war er Novizenmeister und Professor der Theologie. Den 3. Juli 1649 wurde er Beichtvater der Klosterfrauen in der Au. Als Abt und Kapitel 1650 festsetzten, daß an Sonn- und Feiertagen mittags in der Kirche der Psalter gebetet werden solle, wurde P. Bernhard zum Präses der Rosenkranzbruderschaft bestimmt. Für P. Karl wurde er den S.Dezember 1653 Pfarrer von Einsiedeln; deshalb nahm man ihm das Amt eines Novizenmeisters und Philosophieprofessors den 8. Mai 1654 ab. Als er aber den 9. Januar 1655 von der Pfarrei wegkam, wurde er wieder Novizenmeister und Philosophieprofessor. Im März 1656 ernannte ihn Abt Plazidus zum Offizialen. Den 22. Oktober 1657 erhielt er den Auftrag, für den heimberufenen P. Augustin Reding nach Salzburg zu gehen, um dort die Professur für spekulative Theologie und Exegese zu übernehmen. Gleichzeitig vollendete er seine theologischen Studien und erwarb den 8. Januar 1658 das Magistrat der Theologie. Er wurde fürstbischöflicher geistlicher Rat und kaiserlicher Notar. Während acht Jahren war er Vizerektor des dortigen Kollegs und zwei Jahre Prokanzler der Universität. Ein Jahr war er auch Dekan der theologischen Fakultäten und Beichtvater in Maria Loretto. Schon 1660 hatte ihn Abt Plazidus zurückrufen wollen, aber die Präsides der Akademie und der Fürsterzbischof verwandten sich für ihn. Doch 1667 mußte er heimkehren, da ihn der Abt in der Konstanzer Angelegenheit nach Rom senden wollte. Während der Krankheit des Abtes Plazidus wurde er zum Consiliarius extraordinarius und zum Visitator für das Frauenkloster in der Au bestellt. Abt Augustin bestellte ihn den 21. Juli 1670 zum Subprior ad interim; den 5. September wurde ihm das Amt wieder abgenommen und er zum Consiliarius Abbatis ernannt. Schon am 15. Februar 1671 aber wurde er als Pfarrer nach Münsterlingen bestimmt, wohin er indessen erst am 8. Juli verreiste. Da ihn der Erzbischof von Salzburg am 10. September 1671 für den mit der Universität Salzburg verbundenen Wallfahrtsort Maria Piain erbat, war Abt Augustin entschlossen, diesem Gesuche zu willfahren. Pater Bernhard kam wahrscheinlich noch vor Ende des Jahres nach Salzburg, zu Anfang 1672 wurde ihm der Laienbruder Christoph Sandholzer für den Haushalt beigegeben. In Maria Plain sollten sich jüngere Kräfte für das Lehramt an der Universität vorbereiten, während sich ältere Professoren dahin zurückziehen und sich der Wallfahrtsseelsorge widmen konnten. Im September 1676 kam P. Bernhard auf kurze Zeit zu Besuch nach Einsiedeln. Fünf Jahre später, im September 1681, ernannte ihn der Fürsterzbischof zum Beichtvater in Nonnberg. Er hatte bereits von Maria Plain aus das Amt eines außerordentlichen Beichtvaters versehen. Auch sonst war er mit dem Kloster in Berührung gekommen. Eine Schwester litt hier unter dämonischen Einflüssen. Auf Anrufung der Einsiedlischen Gnadenmutter und des hl. Meinrad wurde sie von ihrem Übel befreit; die Verehrung der Gnadenmutter und des hl. Meinrad bürgerte sich von da an besonders in Nonnberg ein. Man führte hier am 9. Oktober 1666 das Fest der sogen. Leibeigenschaft Mariae ein, das noch heute gefeiert wird. P. Bernhard förderte diese Bestrebungen sehr; später (1691) kam sogar eine Kopie des Gnadenbildes her und wurde eine eigene Einsiedler Kapelle geschaffen. P. Bernhard hätte schon 1682 heimkehren sollen, aber der Fürsterzbischof und die Äbtissin verwandten sich für sein ferneres Verbleiben. Er mußte freilich in P. Meinrad Steinegger einen Gehilfen bekommen; später kam P. Michael Lang (1689). Den 1. Juli 1691 feierte P.Bernhard seine Sekundiz in Anwesenheit des Fürsterzbischofs Johann Ernest von Thun. Da er ganz blind war und auch sein Gehör sehr abgenommen hatte, mußte er vom Posten eines Beichtigers zurücktreten. Die Frauen wünschten aber, P. Bernhard bei sich behalten zu dürfen. So kam es, daß P. Bernhard in Nonnberg verblieb und daselbst den 19. April 1699 im Alter von 83 Jahren an Altersschwäche starb. Er wurde in der St. Josefskapelle beigesetzt. Auf seine Brust mußte man seinen Rosenkranz und einen Zettel mit folgenden Worten legen: «Ego Fr. Bernardus, indignus Augustissimae Matris Mariae Einsiedlensis Professus, Presbyter et p. t. cliens Planensis, Divinam Rosarii laudem desiderio semper habere in ore meo: Lingua autem deficiente, omnis respitario mea sit laudis divinae et Marianae significatio, corpore vero extincto et in pulverem redacto, laudes tibi Christe infinitas dicant minutissima quaeque pulveris grana usque ad extremum iudicii diem. Fiat, fiat, Benedicat te, Deus meus, Rma Mater tua Virginea, quam in Matrem praeeligere dignatus es ante saecula»98.
Zu seinem Tode bemerkt P. Josef Dietrich: «Er ist der erste, der unsere hl. Engelweihung in gar grossem folio stechen lassen. Auch hat er Vitas Ss. Meinradi et Benedicti mit grossen Kosten in Kupfer einzustechen, auch in gleichem allerhand metallene Pfenning mit V. L. F. von Eynsidlen, der Engelweihung und dergleichen Bildtnussen an das Licht zu geben sich verkostet. War ein Mann von grossen Qualitäten». Ein solcher Stich mit der Darstellung der Engelweihe in der Mitte und dem Leben des hl. Meinrad im Umkreis hat sich noch erhalten (59X42,7 cm); er stammt von 1677 und ist von «P. Bernardus Waibel, SS. Theologiae Doctor et Profesor eremitus Salisburgiensis, p. t. Superior in Plan Bmae Virg. Mariae», dem Abte Augustin II. gewidmet. Entworfen wurde das Blatt von Wolfgang Hoffler, gestochen von P. Aug. K(ilian). - Ein zweiter Stich (72X55,5 cm) zeigt einen sogen. Stammbaum des hl. Meinrad. Unten liegt der Heilige erschlagen am Boden. Aus seiner Brust entspringt ein Baum, auf dessen Blätter unten die Bilder der hl. ersten Bewohner von Einsiedeln und dann die Wappen der Äbte dargestellt sind. Auf einem der Blätter steht ebenfalls eine Widmung von P. Bernhard, damals Beichtiger in Nonnberg, an Abt Augustin II. Das Blatt wurde entworfen von Br. Fridolin Dumeisen aus Mariastein, gestochen von Philipp Kilian in Augsburg. Das Blatt wurde später nachgestochen99. Auch für Maria Plain ließ P. Bernhard einen großen Kupferstich (49X35,5 cmj stechen, den er 1678 dem Fürstbibischof Maximilian Gandolf von Kuenburg widmete100. Der berühmte Salzburger Graveur Peter Seel schuf im Auftrage unseres P. Bernhard mehrere Medaillen für Einsiedeln mit Darstellungen der Engelweihe, des Martertodes des hl. Meinrad, des Gnadenbildes und der großen Monstranz. Ein in Wachs gebildetes Brustbild des hl. Meinrad schenkte P. Bernhard 1667 nach dem Stifte Admont, wo es noch heute vorhanden ist. P. Bernhard war wohl der erste, der über das sogen. St. Benediktuskreuz eine Schrift herausgab (s.u.)101.

Schriften:
a) Gedruckte:
1. Selectarum difficultatum Disputatio theologica de jure et justitia. Meyer. Salzburg 1660. 8 °. Katalog der aarg. Kantonsbibliothek III. 539.
Theses theologicae de Augustissimo Missae Sacrificio, quas in Alma et Archiepiscopali Universitate Salisburgensi ex praelectionibus Adm. Rdi et Clarissimi P. Bernardi Weibel, Illmi et Exempti Monrii B. V. Einsidlensis in Helvetia, Ord. S. Benedicti Monachi, SS. Theol. Doctoris et Professoris ordinarii, Celsmi et Rev. mi Principis et Archiepiscopi Salisburgensis etc. Consiliarii - Collegit et ad disputandum publice proposuit R. R. P. Coelestinus Turner, ejusdem Ordinis, in Imperiali Monrio SS. Udalrici et Afrae Augustae Professus, SS. Theol. et SS. Canonum Studiosus. Anno 1662, niense Septembri, die 26. Salisburgi, Typis Joan. Bapt. Mayr, Typographi Aulici et Acadeniici. - 12 °. Archiv. Aarg. Kantonsbibliothek III. 432.
3. Concio Finalis Dedicationis Angelicae celeberrimae Anno Christi MDCLXX. Rememorans praecedentes alias triginta, cuni totidem conceptibus novis, prosequenti, celebranda An. MDCLXXXI. Per Quaestiones XXI. considerabiles ob circumstantias Negativas Primaevae Dedicationis Divinae solvendas. Ex solo Themate Psal. 110. Memoriam fecit Mirabilium suorum misericors et Miserator Dominus. Auctore et Concionatore A. R. P. Bernardo Vaibel SS. Theologiae Doctore, per Decennium Professore, ac Procancellario in Alma et celeberrima Academia Archiepiscopali Salisburgensis, Ordinis S. Benedicti, Professo Capitulari Einsidlensi. etc. Typis Monasterii Einsidlensis. Per Nicolaum Wagenmann. Anno 1670. 8 °. 20 S. X 480. Dl 300, 10. X 480, 4.
4. De natura Theologiae et de existentia et essentia Dei. 12 °. 1664 (wo?).
5. Disputatio de jurisdictione poenitentiali. 8 °. 1669.
6. Miracula Sti Patris Benedicti cum apologia et defensione numismatum et crucis Sti Benedicti. 1675.
7. Salzgeber, Joachim. Die Marienverehrung von P. Bernard Waibel OSB. (SMGBOZ 85, 1974, 225-227).

b) Ungedruckte:
1. Compendium totius Philosophiae. Scripsit Fr. Dionys Hartmann. 1655. 8 °. 82 S. Mscr. 921 (993).
2. Tractatus de Vitiis et peccatis ad quaestionem 71 S. Thomiae. Dictatus ab Admodum Rdo R'issimo ac Clarissimo Dno P. Bernardo Weibl Ord. S. P. N. Benedicti, Celeber. Monrij Einsidlensis professo SS. Theologiae Professore ordinario primario exceptus a Rdo F. Placido Mayr Eiusdem ordinis Monasteri Benedictoburani professo Anno 1664. 8 °. 311 S. u.Index. Beigebunden: De Legibus, S. 1-256, welcher Traktat aber jedenfalls von einem andern stammt. - Staatsbibliothek München. Cod. lat. 4895 aa.
3. Tractatus de Angelis, Dictatus ab Admodum Rdo Rlsmo ac Clarissimo P. Bernardo Weibl. Ord. S. P. Benedicti, Celeber. Monrij Einsidlensis Professo SS. Theologiae Professore ordinario Exceptus a Reso F. Placido Mayr eiusdem ordinis Professo antiquissimi Monrij Benedictoburani Anno 1663. 8 °. 311 S.U.Index. Angehängt ist: Quaestio I. de fine actuum humanorum. 1-380 S. (ob von P.Bernhard?). München. Staatsbibliothek. Cod. lat. 4895 a.

Letzte Aktualisierung: 03.10.2018 – Impressum
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